Willkommen in Schwerin — wo der kommunale Eigenbetrieb jetzt Nachhaltigkeitstouren mit dem Fahrrad veranstaltet, damit die Bürger überhaupt mitbekommen, was da jahrelang an Schulen und Kitas gebuddelt wurde. Sechs Bauprojekte des Zentralen Gebäudemanagements (ZGM), eine zweistündige Radtour, Klima-Allianz und ADFC im Schlepptau. Klingt nach kommunaler Öffentlichkeitsarbeit mit Herz. Ist es wahrscheinlich auch.
Was wurde gezeigt?
Die „Tour de la Durabilité“ führte zu sechs ausgewählten Projekten. Darunter: das neue ZGM-Verwaltungsgebäude (ein Verwaltungsbau für die Verwaltung, klassisch), der Hort der John-Brinkman-Schule (immerhin ein Hort, kein Parkhaus), die Sanierung der Friedensschule (die laufende Nummer, mit der Schwerin sich seit Jahren beschäftigt), und der geplante Campus der Berufsschule für Gesundheit und Soziales. Auch Sporthallen und Feuerwehren stehen auf der Liste — Instandhaltung und Gebäudebewirtschaftung sind im Schweriner Alltag Dauerbrenner.
An jeder Station wurde erklärt, wie das jeweilige Gebäude nachhaltig werden soll. Photovoltaik, Dämmung, Materialwahl. Nachhaltigkeitsmanager Stephan Liedtke moderierte die Tour und stellte klar: „Nachhaltigkeit bedeutet für uns, Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus zu betrachten.“ Aha. Über ihren gesamten Lebenszyklus. Das heißt dann wohl: Neubau, Sanierung, irgendwann wieder Sanierung, irgendwann Abriss.
„Nachhaltigkeit bedeutet für uns, Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus zu betrachten und ökologische, wirtschaftliche sowie soziale Aspekte miteinander zu verbinden.“
— Stephan Liedtke, Nachhaltigkeitsmanager ZGM Schwerin
Warum eine Radtour?
Weil die Tour Teil der beliebten ADFC-Feierabendtouren war. Clever — günstiges Marketing, hohe Reichweite, gesundes Image. Wer jetzt noch sagt, Stadtverwaltung könne nicht kommunizieren, hat diese Aktion verpennt. Inhaltlich waren es solide Einblicke: Warum baut man eine Kita neu, statt sie zu erweitern? Welche Standards setzt das ZGM bei Schulgebäuden? Wer steht eigentlich in der Verantwortung, wenn ein Projekt drei Jahre länger dauert?
Das ZGM hat mit dieser Tour ein neues Veranstaltungsformat geschaffen. Nachhaltige Stadtentwicklung aus einer neuen Perspektive, hieß es offiziell. Aus bürgerlicher Sicht heißt das: Endlich mal live sehen, wofür die Grundsteuer verbaut wird. Ob das beruhigt oder beunruhigt, hängt vom Einzelfall ab.
Was fehlt im Bild
Schwerin zeigt also, was es kann. Sechs Bauprojekte, alle ordentlich durchmoderiert. Was bleibt offen? Die Kosten. Welche Summen fließen in welche Schulen? Welche Standards gelten bei Auftragsvergaben? Welche Handwerker aus der Region profitieren? Solche Fragen beantwortet eine Radtour naturgemäß nicht. Dafür bräuchte es eine Bürgerinformationsveranstaltung mit Zahlen — ausdrücklich ohne Moderator mit Fahrrad.
Aber sei’s drum: Immerhin passiert etwas Sichtbares. Sechs Projekte, eine Tour, ehrliche Worte zur Nachhaltigkeit. Mehr Öffentlichkeit wagen — das ist in Schwerin keine Selbstverständlichkeit. Wer noch eine Partie Nachhaltigkeitstour mitmachen will: Augen auf beim nächsten ADFC-Programm.
Foto: Sergej ***** / Pexels
Quelle: Stadt Schwerin
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