Gesellschaft

Stahl fürs Dach auf Kleinanzeigen: Schweriner Radsporthalle wird zur Endlos-Baustelle

Die Schweriner Radsporthalle am Lambrechtsgrund bekommt in diesen Tagen ein neues Kapitel ihrer unendlichen Geschichte: Der im März gekündigte Stahlbauer FSE aus Wittenberg bietet die eigens für das Hallendach produzierten 250 Tonnen Stahlrohre und Verbinder aktuell im Internet feil. Weltweit. Auf Kleinanzeigen. Zwischen „Wohnung in Rostock zu vermieten“ und „IKEA-Bett, kaum benutzt“. Bislang habe sich kein Käufer gefunden, sagt das Unternehmen auf Anfrage der Redaktion.

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250 Tonnen Stahl, einmal Schwerin. Leider kein Interesse. Der Standort gilt bundesweit als Endlager für ambitionierte Bauvorhaben.

Gekündigt, verklagt, verzögert

Die Stadt hatte den Auftrag im März 2026 gekündigt – wegen „drohender Bauzeitverzögerung und zusätzlicher Kosten“. FSE sieht sich „ungerechtfertigt behandelt“, hat Klage eingereicht und lässt die Rechtmäßigkeit der Kündigung vor Gericht prüfen. Was im Klartext heißt: Zwei Parteien streiten sich darum, wer schuld ist, dass eine Halle, die eigentlich schon stehen sollte, immer noch nicht steht. Während die Radbahn, der eigentliche Star der Anlage, bei Bremen in einem Lager auf ihren großen Auftritt wartet. (schwerin)

Immerhin: Die Stahlbauarbeiten sind inzwischen neu ausgeschrieben. In der letzten Juli-Woche war Submission. Bis Ende August soll der Zuschlag erteilt werden, erklärt Wieland Schaible, Geschäftsführer der Lambrechtsgrund Betriebsgesellschaft. „Es ist eine ausreichende Anzahl von Angeboten mit guter Qualität eingegangen.“ So weit, so beruhigend. Allerdings müssen die Stahlbauteile dann erst wieder neu gefertigt werden, weshalb mit einer Fertigstellung „voraussichtlich Ende 2027″ zu rechnen ist. Also: in ungefähr anderthalb Jahren. Falls nichts dazwischenkommt. Was in Schwerin erfahrungsgemäß immer dazwischenkommt.

25 Millionen und keine Ende

Fest steht laut Nordkurier: Die Halle wird noch teurer als die bisher veranschlagten 25 Millionen Euro. Wieviel teurer, das weiß niemand. Auch nicht, wer am Ende die Differenz zahlt. Das Land steuert bereits 16,5 Millionen bei. Vize-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum (CDU) setzt laut eigener Aussage auf „weitere Mittel aus der Landesschatulle“. Man sei in „guten Gesprächen“. Das hört man in Schwerin immer, wenn man kurz vor einer Kostenexplosion steht und höflich nicht nach der Zahl fragen möchte.

Immerhin: Die Arbeiten im Erdgeschoss und im Außenbereich des künftigen Radsportzentrums – einem Oval auf Stelzen – sollen bis Ende September abgeschlossen werden. Das klingt nach Fortschritt, ist aber vor allem das Eingeständnis, dass der größte Brocken – das Dach – noch in der Schublade liegt. Wer in Schwerin eine Radsporthalle bauen will, muss vor allem Geduld mitbringen. Und das Vertrauen darauf, dass das Material, das einmal für das eigene Dach gedacht war, nicht schon auf Kleinanzeigen verramscht wird.

Schwerin ist Geil. Vor allem, wenn man wissen will, wie viel Stillstand in einer Baukostenrechnung steckt.

Foto: d c / Unsplash

Quelle: Nordkurier

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