Willkommen in der Landeshauptstadt. Wo der Mindestlohn-Einheimische noch nicht mal ein Ticket für die Fähre zahlt, gibt es Urlauber, die 3500 Euro für eine Woche schwimmendes Klingelschild auf dem Schweriner See hinblättern. Drei Zimmer, Küche, Bad, WLAN, Klimaanlage – auf dem Wasser. Klingt nach Traum. Ist auch ein Traum. Aber eher der von jemandem, der in Schöneberg eine Vier-Zimmer-Wohnung besitzt und in Schwerin gerne mal schaut, wie sich Normalbürger so fühlen.
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Die Ostsee-Zeitung hat sich die Mühe gemacht, eine ganze Hausboot-Woche auf dem Schweriner See durchzurechnen. Herausgekommen ist ein Bericht, der ungefähr so aussieht, als hätte jemand eine Finanz-Excel-Tabelle mit einer Reisebeschreibung verheiratet. Ergebnis: Satte 500 Euro pro Tag, inklusive Liegeplatz, Endreinigung und einem Gefühl von Freiheit, das in Berlin offenbar nur mit Wasser unter dem Boot zu haben ist.
Die Rechnung, bitte
Wer länger mietet, zahlt weniger pro Tag – ein klassisches Geschäftsmodell, das auf dem Land gern als „Sommerfrische mit Wow-Effekt“ verkauft wird. Was in den 3500 Euro alles drin ist? Laut Bericht: drei Schlafgelegenheiten, eine Küche, die so voll ausgestattet ist wie mancher Erstbezug in der Schelfstadt, sanitäre Anlagen, Klimaanlage und ein WLAN, das den Namen hoffentlich auch verdient. Im Seegebiet selbst bewegen sich die Boote freilich nicht nur auf dem Schweriner See – wer mehr Tage bucht, darf auch über die Seenplatte schippern. Falls man überhaupt noch Energie hat nach dem Frühstück mit Seeblick.
„Drei Zimmer, Küche, Bad, WLAN und Klimaanlage – auf dem Schweriner See. Klingt nach wenig, kostet nach viel. Aber im Urlaub darf das ja.“ (mecklenburg-vorpommern)
Ostsee-Zeitung
Schwerin für die, die es sich leisten können
Jetzt darf man sich die naheliegende Frage stellen: Was macht das eigentlich mit der Stadt, wenn See-Immobilien plötzlich Airbnb-fähig werden? Schwerin ist Tourismus-Hauptstadt eines Bundeslandes, in dem die Durchschnittsrente unter der Miete einer Hausboot-Woche liegt. Vielleicht ist das die neue Form der Landeshauptstädter Identität: Wir verkaufen den See, den wir uns selbst kaum leisten können, an Leute, die in einer Woche wegwerfen, was manchen hier ein Monat Grundsicherung kostet.
Aber gut. Die Gäste kommen, die Anbieter kassieren, die OZ schreibt. Die Schweriner schauen vom Ufer aus zu und trinken Filterkaffee. So funktioniert das eben hier oben. Wir freuen uns drauf. Also irgendwie.
Foto: Miguel Joya / Unsplash
Quelle: Ostsee-Zeitung
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