Gesellschaft

Schweriner Badeseen unter Parasiten-Beschuss: Zippendorfer Strand ruft trotzdem zur Sonnencreme statt Mückenmittel auf

Willkommen in Schwerin, unserer geliebten Landeshauptstadt. Wo das Wasser glitzert, das Schloss über alles wacht — und die mikroskopisch kleinen Bewohner der Seen einem gerade unter die Haut kriechen.

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Was sich anhört wie der schlechte Plot eines Tierhorrorfilms, ist seit dieser Woche offiziell dokumentierte Realität am Zippendorfer Strand, am Reppin und in Kalkwerder. Die Rede ist von Zerkarien. Bestimmte Larvenstadien von Saugwürmern, die eigentlich Enten und andere Wasservögel als Endwirt auserkoren haben. Da der Mensch aber so nah am Wasser baut und planscht, nehmen sie notfalls auch mit uns vorlieb.

Drei Minuten bis zum Juckreiz

Bereits drei bis zehn Minuten nach Badebeginn können gerötete Flecken, Quaddeln und bisweilen unerträglicher Juckreiz auftreten. Die sogenannte Badedermatitis. Klingt harmlos, ist es auch — solange man sich nicht kratzt. Tja.

Da der Mensch ein Fehlwirt ist, werden die Zerkarien im Unterhautbindegewebe abgetötet, wie der Fachdienst Gesundheit in Schwerin erklärt. Sie können also nicht tiefer eindringen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Sie sterben dort, wo es wehtut. Mit Ausschlag. Mehrere Tage lang. In der Hochsaison. Mit Badewetter.

Der Rat, der keiner ist

Was rät eine Stadt, die nichts gegen das Problem tun kann? Sie empfiehlt Verhalten. „Besonders in Flachwasserzonen mit Schilfgürtel sollte man sich nicht längere Zeit aufhalten“, steht da. Aha. Also: Lieber da baden, wo es tiefer ist und das Schilf weiter weg. An einem See, an dem Schilf die Ufer dominiert. Und dann: nasse Badebekleidung sofort ablegen, gründlich duschen, Körper abreiben. Wer in Schwerin baden geht, muss eigentlich Sportler sein.

Ich geh hier seit 30 Jahren an den Zippendorfer Strand. Früher war’s kalt. Dann war’s zu kalt. Jetzt bohren sich Wurmlarven rein. Ich zieh in Erwägung, mir ein Schwimmbad-Abo in Rostock zu leisten.

Anwohner aus Zippendorf

Die Ironie der Geschichte: Die Seen sind das, was Schwerin von anderen Landeshauptstädten unterscheidet. Nirgendwo sonst kann man mit der Straßenbahn an einen Strand fahren. Wenn die Stadt jetzt aber empfiehlt, nicht am Ufer zu plantschen und nach dem Baden sofort die nasse Badehose auszuziehen — was bleibt dann eigentlich noch?

Hochsaison für Parasiten

Begünstigt wird das Ganze durch die Temperaturen, die in diesem Sommer wieder das tun, was sie in Schwerin immer tun: Sie laden zum Baden ein. Die Saugwurmlarven verlassen bei Wärme ihre Zwischenwirte — Süßwasserschnecken — und suchen sich Endwirte. Idealerweise Enten. Praktischerweise auch Menschen.

Betroffen sind neben Zippendorfer Strand, Reppin und Kalkwerder am Schweriner See auch das Nord- und Südufer am Lankower See sowie die Badestelle Kaspelwerder am Ostorfer See. Wer also in Schwerin baden will, muss entweder tief rein, schnell raus oder sich mit Juckreiz anfreunden. Drei Optionen, alles unbefriedigend. (schwerin)

Wenn die Landeshauptstadt brennt, wird gewarnt

Aber immerhin: Das Online-Hinweisportal zur Badewasserqualität des Gesundheitsministeriums listet die Warnungen ordentlich auf. Wer wissen will, in welchem See ihn gerade Larven erwarten, kann das nachschlagen. Die digitale Transparenz ist also gegeben. Der Schutz vor den Viechern leider nicht.

Bei ernsthaftem Befall sollte der Haus- oder Hautarzt aufgesucht werden, um das lästige Jucken lokal behandeln zu lassen. So steht es in der Pressemitteilung. Lokal. Wie in: Es gibt kein Mittel, das die Sache schnell beendet. Man kann nur lokal behandeln. Willkommen in Schwerin, wo selbst der Parasitenbefall bürokratisch gelöst wird.

Was bleibt

Schweriner, die im Sommer 2026 baden wollen, stehen vor einer einfachen Wahl: Sie gehen ins Wasser und riskieren Zerkarien, oder sie bleiben an Land und schwitzen. Rostock hat übrigens gerade aufgerüstet — neue Wasseraufbereitung in den Freibädern, wie der NDR dieser Tage berichtete. Aber wer fährt schon für ein Bad nach Rostock.

Ach, Moment. Genau die Leute, die nicht mehr in Schweriner Seen planschen wollen.

Foto: Karl Werner / Unsplash

Quelle: Nordkurier

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