Vier Tage Sperrung mitten in Schwerin – wegen Holzbooten auf einem Teich. Von Donnerstag, 13. August, 9 Uhr, bis Sonntag, 16. August, 24 Uhr, fährt die Buslinie 11 eine Umleitung über die Ziegelseebrücke, weil am Pfaffenteich das Drachenbootrennen stattfindet. Wegen ein paar Dutzend Paddlern, die ein Wochenende lang über ein paar hundert Meter Wasser rudern, kollabiert der ohnehin schon fragile Nahverkehr der Landeshauptstadt.
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Die Haltestelle Friedrichstraße – eine der wichtigsten Anlaufpunkte für Besucher des Stadtzentrums und des Marstalls – wird schlicht eingestellt. Stattdessen sollen die Fahrgäste „bitte“ die Haltestellen Ziegelseebrücke, Hauptbahnhof oder Schelfmarkt nutzen. „Bitte.“ Als wäre das ein Witz. Für ältere Fahrgäste, die ohnehin jeden Meter zu Fuß gegen den Wind kämpfen, bedeutet das nochmal 400 bis 600 Meter extra pro Strecke. Vier Tage lang. Bei vermutlich Temperaturen jenseits der 25 Grad.
Haltepunkt A: Die neue Hauptstadt der Banalität
Die Haltestelle Hauptbahnhof wird für die Linie 11 in Richtung Walther-Rathenau-Straße und Kliniken vorübergehend zum „Haltepunkt A“ verlegt. Haltepunkt A. Als hätte jemand das fehlende Alphabet aus der Schublade gezogen und gesagt: „Wir nennen es A, weil B sonst zu sehr nach Bus klingt und C nach Chaos, und das wäre zu ehrlich.“ Die letzten regulären Fahrten über die Haltestelle Friedrichstraße gibt es am Donnerstag, 13. August, um 08:30 und 08:37 Uhr. Wer das verpasst, hat vier Tage lang das Nachsehen – und das im Hochsommerloch.
„Vier Tage Innenstadt-Sperre, weil ein paar Leute mit Holzstäben in Pfützen rühren. Als Landeshauptstadt sollten wir das eigentlich hinkriegen, gleichzeitig Bötchen und Bus zu haben.“
— Anonymisierter Fahrgast aus dem Schlossviertel
Landeshauptstadt im Logistik-Schlaf
Eine Landeshauptstadt, die für ein Wochenend-Paddelevent ihre zentrale ÖPNV-Achse vier Tage lang umlegt, ohne einen Shuttleservice oder eine erkennbare Alternativroute für die betroffenen Anwohner anzubieten, sendet ein klares Signal: Kulturveranstaltungen gehen vor Infrastruktur. Anders gesagt: Wer in Schwerin wohnt, soll sich nicht wundern, wenn der Bus für die Touristen halt woanders hält.
Die Wirklichkeit ist natürlich nüchterner – und trotzdem beschämend. Der Pfaffenteich ist zwölf Hektar groß, das Rennen findet auf einem schmalen Streifen am Ufer statt. Aber statt den Busbetrieb chirurgisch zu planen oder wenigstens provisorische Haltestellen einzurichten, gibt es Pressemitteilungen mit dem Hinweis, dass Schwerin „um Verständnis bittet“. Schwerin, das ist die Stadt, in der das Miteinander der Mobilität schon im Ansatz daran scheitert, dass niemand vorher daran gedacht hat, dass es überhaupt jemanden stört.
96.000 Einwohner – und für ein sportliches Wochenendereignis mit überschaubarer Publikumsgröße vier Tage Stillstand auf einer der wichtigsten Buslinien. In Rostock würde man einen Behelfs-Shuttle einrichten, in Hamburg einen Metro-Bus. In Schwerin verlegt man eine Haltestelle in den Alphabet-Anfang und hofft, dass die Leute schon wissen, wo „Haltepunkt A“ liegt. Tun sie nicht. Müssen sie auch nicht – sie bleiben einfach zu Hause.
Vier Tage. Wegen Holz. Auf Wasser. In einer Landeshauptstadt. Normalerweise würde man sagen: „Mehr Inland geht nicht.“ Hier ist es einfach nur ein weiteres Kapitel im Logistik-Krimi „Schwerin übt Mobilität“.
Quelle: schwerin.news
Foto: cheng feng / Unsplash
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