Wirtschaft

Drei Millionen Euro für Moor und Mein Gewissen: MVs «Ökowertpapiere» als katholische Ablaßhandel-Renaissance

Willkommen in Mecklenburg-Vorpommern. Wo andere Bundesländer über Tempolimit und Wärmepumpe streiten, hat man hier den Klimaschutz kurzerhand an die Börse gebracht – beziehungsweise in den nächsten Bioladen. Die Rede ist von „Ökowertpapieren“: MoorFutures, Waldaktie, HeckenScheck und StreuobstGenussschein. Vier Produkte, ein Versprechen: Mit dem Kauf eines Zertifikats wird das Gewissen klimaneutral, der Geldbeutel leichter und der Acker zur CO2-Senke.

Seit Sommer 2025 sollen nach Angaben des Schweriner Klimaschutzministeriums rund drei Millionen Euro privates Kapital in diese Papiere geflossen sein. 37.000 MoorFutures, 130.000 Waldaktien, etwa 50 Unternehmen, die mitmachen. Klingt erst mal nach viel. Ist im bundesweiten Vergleich ungefähr so, als hätte man im Stadion den Getränkewagen gekauft, aber keine Eintrittskarte fürs Spiel.

MoorFutures: Weltmeister der Selbstlobhudelei

Die MoorFutures werden voller Stolz als „weltweit erstes handelbares Moor-Klimaschutzzertifikat“ verkauft – in den Medien, in Broschüren, neuerdings offenbar sogar in der Kita-AG. Erfunden 2011, im zarten Alter vor Twitter. Mit dem Erlös wurden rund 100 Hektar Moor wiedervernässt. Klingt imposant. Sind 100 Hektar. In einem Bundesland, das Hunderttausende Hektar Moor hat. Rechnen Sie selbst.

„Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sind drei Millionen Euro privates Engagement für den natürlichen Klimaschutz alles andere als selbstverständlich.“
Dr. Till Backhaus, Klimaschutzminister MV

Man darf das Wort „freiwillig“ an dieser Stelle übrigens wörtlich nehmen. Es geht nicht um Zwangsabgaben, es geht um den guten Ton. Wer eine Waldaktie kauft, darf sich Klimaretter nennen. Wer eine StreuobstGenussschein kauft, kriegt zusätzlich Apfelsaft. Und wer einen HeckenScheck kauft, hat wenigstens eine Hecke, die im Finanzbericht auftaucht. Die katholische Kirche hat das mit Ablassbriefen jahrhundertelang versucht. Hat nicht funktioniert. Aber der Versuch zählt.

Schwerin schaut aus der Ferne zu

Was hat die Landeshauptstadt eigentlich konkret davon? Schwerin selbst taucht in der Aufzählung der geförderten Projekte nicht auf. Moorschutz ist Sache des Landes, nicht der Stadt. Heißt: Während die einen Hecken, Moore und Wälder kaufen, fährt man in Schwerin mit der Straßenbahn durch Zustände, die eher an die Erfindung der Glühbirne erinnern als an klimaneutrale Mobilität. Klimaschutz ist ja auch bundesländerübergreifend – solange er nicht direkt vor der eigenen Haustür stattfindet.

Immerhin: 167.000 verkaufte Papiere, zahlreiche Projekte, freiwilliges Engagement. Wer das bezweifelt, ist der Spaßverderber der Republik. Wer mitrechnet, der Realist. Wir freuen uns drauf. Also irgendwie.

Foto: Ries Bosch / Unsplash

Quelle: Regierung MV

Nichts verpassen! 📰 Newsletter abonnieren

Erhalte die neuesten Nachrichten aus Schwerin direkt in dein Postfach – satirisch, ehrlich, geil.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Schwerin ist Geil auf WhatsApp

Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.

Jetzt Kanal abonnieren

Kostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar

Teilen:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Genau wie die meisten Neuigkeiten aus Schwerin.