Willkommen in Schwerin. Hier ist ein Umlegungsplan „unanfechtbar“ geworden, und alle wissen, was das bedeutet. Niemand. Außer den Juristen im Bauamt vielleicht. Aber die dürfen es einem nicht erklären, weil sie dann zugeben müssten, dass das Verfahren schon 2023 hätte stehen können.
Die Landeshauptstadt hat nach schwerin.news bekanntgegeben, dass der Umlegungsplan „U025 Neu Zippendorf – Berliner Platz“ rechtlich unanfechtbar geworden ist. Hinter der juristisch klingenden Bekanntmachung verbirgt sich — laut der Stadt — „ein wichtiger Schritt“. Die bisherigen Grundstücksgrenzen und Eigentumsverhältnisse werden an die künftige Bebauung angepasst. Klingt trocken. Ist es auch.
Rund 55.900 Quadratmeter, vier Eigentümer, kein Spatenstich
Das Verfahren umfasst 55.900 Quadratmeter mit 30 Flurstücken und vier beteiligten Eigentümern. Vier. Wer in Schwerin ein Wohnquartier entwickeln will, muss sich also mit vier Leuten einigen. In einer Stadt, in der schon das Aufstellen eines neuen Mülleimers drei Verwaltungsvorgänge auslöst, ist das durchaus eine Leistung.
Ziel der Umlegung: Die Flächen für den geplanten Wohnungsbau neu ordnen und erschließen. Grundlage ist der Bebauungsplan Nr. 111 „Wohnquartier Neu Zippendorf – Am Berliner Platz“. Der ist bereits seit Ende 2023 rechtskräftig. Damals war also schon mal was. Nur eben nicht das hier.
Wohnungen, Geschäfte, Dienstleistungen — alles möglich, nichts da
Auf den Flächen südlich des Berliner Platzes soll ein neues Wohngebiet entstehen. Direkt am Berliner Platz sind außerdem Flächen vorgesehen, auf denen neben Wohnungen auch kleinere Geschäfte, Dienstleistungen oder gastronomische Angebote möglich sind. „Dadurch soll der Bereich langfristig an Attraktivität gewinnen und stärker belebt werden“, heißt es. Wann genau, sagt die Stadt nicht. Das ist natürlich auch nicht nötig — es geht ja ums Planen. Das Planen ist planmäßig verlaufen.
Ich warte seit 2019 auf den ersten Spatenstich. Damals hieß es, das Quartier komme „zeitnah“. Heute sagen sie „die Voraussetzungen werden geschaffen“. Ich überlege, mir bis dahin ein Zelt aufzustellen.
Anwohner aus Neu Zippendorf
Was die Bekanntmachung der Stadt in aller Nüchternheit unterschlägt: Mit der jetzt abgeschlossenen Umlegung beginnt noch keine Bautätigkeit. Erst werden die Änderungen im Grundbuch und im Liegenschaftskataster eingetragen. Erst danach können die Grundstücke entsprechend den Vorgaben des Bebauungsplans entwickelt werden.
Meilenstein mit Vorbehalt
Für Außenstehende wirkt die Bekanntmachung zunächst wie ein reiner Verwaltungsakt. Tatsächlich markiert sie einen wichtigen Meilenstein: Nachdem der Bebauungsplan seit Ende 2023 feststeht, ist nun auch die Neuordnung der Grundstücke abgeschlossen. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung geschaffen — Achtung, jetzt kommt das Wort nochmal — „damit aus den Planungen am Berliner Platz künftig tatsächlich gebaut werden kann“.
Voraussetzungen schaffen, damit Voraussetzungen geschaffen werden können, damit gebaut werden kann. In Schwerin klingt Zukunftsmusik nach diesem Dreischritt. Andere Städte baggern. Wir beschließen, dass gebaggert werden darf. Aber bitte erst nach der nächsten Sommerpause.
Was eine Umlegung eigentlich ist
Bei einer Umlegung werden Grundstücke neu zugeschnitten, damit sie entsprechend eines Bebauungsplans genutzt werden können. Eigentümer erhalten dabei in der Regel wieder Grundstücke mit vergleichbarem Wert, allerdings in einer Form, die eine spätere Bebauung ermöglicht. Das Verfahren ist ein übliches Instrument der Stadtentwicklung. Es kommt immer dann zum Einsatz, wenn bestehende Grundstücksgrenzen einer geplanten Erschließung im Weg stehen.
In Schwerin kommt es allerdings auch dann zum Einsatz, wenn niemand mehr so genau weiß, wann gebaut wird. Hauptsache, die Voraussetzungen stimmen. Wer in Schwerin wohnt, ist andere Tempi gewohnt. Die Landeshauptstadt ist geduldig. Sie hat Zeit. Schließlich steht seit 1238 Jahren ein Schloss auf dem Berg. Was macht da ein Wohnquartier mehr.
Foto: Vasyatka1 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Quelle: schwerin.news
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
