Gesellschaft

300 Jahre Telemann-Noten: Schwerins Landesbibliothek schickt Schatz nach Berlin zur Rettung

Sie liegen seit mehr als 300 Jahren in einem Archiv in Schwerin – und sie sind in keinem guten Zustand. Originale Noten von Georg Philipp Telemann, dem Großmeister der Barockmusik, müssen jetzt in Berlin aufwendig restauriert werden. Klingt erst mal unspektakulär. Ist es aber nicht. Ohne die Rettung wären die Blätter in wenigen Jahrzehnten nur noch brüchiger Staub.

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Was vor 300 Jahren auf Notenpapier festgehalten wurde, überlebt ohne Hilfe kein weiteres Jahrhundert. Papier ist geduldig, aber nicht ewig.

Schweriner Schatz auf dem Weg in die Werkstatt

Die Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin bewahrt einen musikalischen Schatz, der in der deutschen Musikgeschichte seinesgleichen sucht: handschriftliche Noten von Georg Philipp Telemann, dem produktivsten Komponisten der Barockzeit überhaupt. Damit diese einmaligen Zeugnisse auch in Zukunft erhalten bleiben, werden sie aktuell in Berlin restauriert. Die NDR-Reporter durften bei den Arbeiten dabei sein – und haben einen Blick in die Werkstatt gewährt, in der Papier und Tinte Stück für Stück wieder zusammengefügt werden.

Telemann war im 18. Jahrhundert ein Star der europäischen Musikszene. Er komponierte über 3.000 Werke, schrieb Opern, Kantaten, Oratorien, Konzerte – und das in einem atemberaubenden Tempo. Dass ausgerechnet Blätter aus Schwerin den Weg in die Berliner Restaurierungswerkstatt antreten, hat einen einfachen Grund: Telemann stand in engem Kontakt zu den Herzögen von Mecklenburg-Schwerin. Das erklärt, warum sich in der Landesbibliothek ein solches Konvolut erhalten hat.

Warum Restaurierung kein Luxus ist

Alte Musikhandschriften sind empfindlich. Die Tinte wird brüchig, das Papier vergilbt, an manchen Stellen droht es auseinanderzufallen. Bei jedem Umblättern geht ein Stück Geschichte verloren. Restauratoren arbeiten deshalb mit feinen Pinzetten, speziellen Klebstoffen und jahrelanger Erfahrung. Was hier passiert, ist Handarbeit im besten Sinne – und sie kostet Zeit und Geld. Beides ist in Bibliotheken bekanntlich knapp.

Die Restaurierung in Berlin ist deshalb kein Selbstzweck. Sie sichert, dass künftige Generationen die Musik nicht nur in modernen Druckausgaben studieren können, sondern direkt in den Originalhandschriften blättern dürfen. Telemanns Noten sind kein Museumsstück zum Anschauen – sie sind Arbeitsmaterial für Musikerinnen und Musikwissenschaftler, die verstehen wollen, wie Barockmusik wirklich klang. Wer je eine Telemann-Aufführung gehört hat, weiß: Es lohnt sich, diesen Schatz zu bewahren.

Foto: Magda Ehlers / Pexels

Quelle: NDR

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