Infrastruktur

Zollhochschule aus Holzklötzen: Lars Klingbeil weiht Europas größte Lego-Beamtenburg in Rostock ein

Schwerin/Rostock. Man nehme 1.000 vorgefertigte Holzmodule, einen Haufen Bundesbeamte, einen Bundesminister mit Schere, und schon hat man Europas „größtes Holzmodulbauprojekt“ – die nagelneue Zollhochschule des Bundes in Rostock. Am Donnerstag wurde sie offiziell eröffnet. Von Lars Klingbeil. Mit Banddurchschnitt. Mit Ansprache. Mit allem, was man halt so macht, wenn man Behördenarchitektur feierlich einweiht.

Die Hochschule steht in Rostock, gleich neben dem Stadthafen, und ist nach Angaben des Bundes das größte Holzmodulbauprojekt Europas. Was zunächst einmal nach einer ziemlich spezifischen Kategorie klingt – als gäbe es irgendwo in Brüssel oder Wien ein Ranking der „am meisten verschraubten Holzklötze“. Aber gut: Wenn man sich vorgenommen hat, innerhalb eines Jahres ein komplettes Ausbildungsgebäude für den Zoll hochzuziehen, dann muss man eben stapeln, statt zu mauern.

Europas größtes Holzmodulbauprojekt – das klingt, als hätte jemand „IKEA-Hauptlager“ mit „Behördenflur“ verwechselt.

Vorgefertigt wie ein Schweriner Wochenendhaus

Über 1.000 Module, in einer Fabrik vorgefertigt, auf der Baustelle nur noch zusammengesteckt. Klingt nach dem Traum eines jeden IKEA-Kunden und nach dem Albtraum eines jeden Bauordnungsamtes. Doch der Bund versichert: alles seriös, alles geprüft, alles nachhaltig. Holz statt Beton – immerhin. Klingbeil sprach bei der Eröffnung von einem „Wahrzeichen für moderne Verwaltungsbauten“. Was im Klartext heißt: Man sieht von außen, dass da drin jemand arbeitet, der auch von außen weiß, was er tun soll.

An der Hochschule sollen künftig angehende Zollbeamte ausgebildet werden – also jene Spezies, die auf Flughäfen, an Grenzen und in Containern mit beschlagenen Taschenlampen nach Schmuggelware fahndet. Bisher mussten die Anwärter dafür quer durch die Republik reisen. Mit dem Neubau in Rostock will der Bund die Ausbildung konzentrieren – sehr zur Freude der örtlichen Immobilienmakler, weniger zur Freude derer, die jetzt innerhalb eines halben Jahres umziehen müssen.

Schneller als die A20

Bauzeit: rund ein Jahr. Kosten: ein neunstelliger Betrag, den der Bund routinemäßig nicht kommentiert. Vergleichsbauwerke: keine, die irgendjemand in Mecklenburg-Vorpommern ernsthaft nachvollziehen könnte. Was indes erwähnenswert bleibt: Das Projekt steht – entgegen aller landestypischen Erfahrungen mit Infrastrukturvorhaben – tatsächlich. Schneller als die A20, billiger als der BER, sichtbarer als alles dazwischen. Fast möchte man dem Bund zurufen: Macht das öfter.

Was bleibt, ist die Frage, was man in der größten Holzklotzburg Europas eigentlich macht. Lernen. Sitzen. Prüfen. Akten wälzen. Wahrscheinlich wird auch künftig niemand auf Anhieb sagen können, was eine Zollhochschule von einer Holzhütte mit Drucker unterscheidet. Aber wenigstens steht sie. Aus echtem Holz. In echtem Rostock. Vom echten Bund.

Foto: Creatopy / Unsplash

Quelle: NDR Nordmagazin

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