Kurioses

Wismar will Nosferatu an der Ampel – Schwerin hat’s mit den Petermännchen vorgemacht

Wismar/Schwerin – Während die MV-Hauptstadt Schwerin seit Jahren mit halbfertigen Brücken, zähem Nahverkehr und einer weltberühmten Lücke auf der Bahn-Landkarte Schlagzeilen schreibt, kommt aus der benachbarten Hansestadt Wismar jetzt der Vorschlag, der das Land touristisch retten soll: Eine Fußgängerampel, an der statt des klassischen Ampelmännchens eine Nosferatu-Figur leuchtet. Vorbild ist – man staunt – die Petermännchen-Ampel in Schwerin.

Vampir statt Ampelmann – Wismar will das nächste Schwerin

Die Idee stammt nach Informationen von NDR/Tagesschau aus der SPD-Fraktion in der Wismarer Bürgerschaft. Am Wassertor am Alten Hafen soll die grüne bzw. rote Vampir-Figur künftig Fußgängern signalisieren, wann sie gehen dürfen und wann lieber nicht. Hintergrund ist der Stummfilm „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1922, der unter anderem in genau diesem Wassertor gedreht wurde. Eine Nosferatu-Plakette ist heute schon im Boden des Tores eingelassen, offizielle Stadtführungen folgen den Drehorten – und jetzt soll der Vampir also auch noch die Ampel übernehmen.

Man darf sich das bildlich vorstellen: Touristen aus Köln stehen vor dem Wassertor, machen Fotos, drücken den Knopf – und statt eines freundlichen Ampelmännchens grinst sie der untote Nosferatu an. Wismar nennt das kulturelles Erbe. Auswärtige nennen es skurril. Und Schwerin? Schwerin sagt: „Herzlich willkommen, wir haben das mit den Petermännchen erfunden.“

„Wenn Wismar jetzt mit dem Vampir kommt, dann nur, weil Schwerin mit dem Petermännchen vorgelegt hat. Bei uns ist halt jeder Trend ein Ampeltrend.“

— fiktiver Schweriner Stadtrat, der namentlich nicht genannt werden will

Schwerin – Vorreiter in Sachen Lichtsignal-Politik

Dass die Wismarer in der Bürgerschaft ausdrücklich auf die „Petermännchen-Ampel in Schwerin“ als positives Beispiel verweisen, ist bezeichnend. Die Hauptstadt des Landes ist seit Jahren nicht für ICE-Anschluss, marode Landesstraßen oder eine halbwegs funktionierende Stadtbahn bekannt – aber dafür, dass ihre Fußgängerampel ein Maskottchen hat. Während in Schwerin seit Jahrzehnten über den zweiten Bahnhof, den Stadtteilverkehr und die Sanierung des Marienplatzes gestritten wird, tickt hier eine Ampel mit einem fröhlich dreinblickenden Petermännchen und setzt damit Maßstäbe für MV-Kommunikation.

So wird Schwerin also MV-weiter Trendsetter – in der Kategorie „kuriose Ampelmännchen“. Das Stadtoberhaupt kann sich auf die Schulter klopfen: keine Investition, kein Planfeststellungsverfahren, kein Streit mit dem Verkehrsministerium in Berlin, aber landesweite Strahlkraft. Wismar zieht jetzt nach, der Rest von MV darf gespannt sein, was als Nächstes an welcher Ampel blinkt – zumindest beim Wismar-Verhältnis zu Schwerin bleibt der Ton rau.

Der Haken: Wismars Haushalt ist leer

So charmant die Idee klingt, so nüchtern fällt die Standortbestimmung aus: Laut Wismarer Stadtverwaltung könnte die Umsetzung an der „schwierigen Haushaltssituation“ scheitern. Der Antrag wurde in den Bau- und Sanierungsausschuss überwiesen, der nun weiter beraten will. Im Klartext: Erst einmal gar nichts. Vielleicht berät man in einem Jahr wieder. Vielleicht auch nicht. Vielleicht ist die Ampel dann veraltet. So hat auch Wismar seinen ganz eigenen Schwerin-Moment – in der Kategorie „Projekt verschoben auf Sankt-Nimmerlein“.

Was bleibt, ist das schöne Bild einer Landeskultur, die statt flächendeckender Mobilität und einer zukunftsfähigen Infrastruktur lieber über die Frage streitet, welcher horrorfilmtaugliche Vampir an welcher Ampel leuchten darf. So weit ist es mit Mecklenburg-Vorpommern gekommen – und Schwerin darf sich rühmen, mit dem Petermännchen den entscheidenden Impuls gegeben zu haben.

„Hauptsache, die Ampel funktioniert. Wäre ja das Mindeste.“

— zugespitzte Bemerkung einer fiktiven Rentnerin aus Wismar

Foto: J.-H. Janßen / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Quelle: tagesschau.de

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