Wismar hat beschlossen: Wenn schon Schwedenzeit, dann richtig. In einem Monat startet das Schwedenfest in der Hansestadt – und Organisator Heiko Lange hat am Donnerstag vollmundig versprochen, dass die 25. Ausgabe „richtig schwedisch“ wird. Noch schwedischer als in den vergangenen Jahren. Wie auch immer man das toppt. Wer beim Schwedischer-Wettbewerb mitmacht, sollte sich warm anziehen.
Willkommen in Mecklenburg-Vorpommern, wo die schwedische Herrschaft von 1648 bis 1903 dauerte, was eine beeindruckende Zahl ist, die man sich merken sollte, falls beim Fest jemand fragt. Erfundene Stammtischbrüder werden es trotzdem nicht wissen.
Vier Tage maximale Schweden-Dosis
Vier Tage lang soll das Programm laufen, moderiert von Viveca Lindhe, die offenbar die offizielle „Wir-machen-das-jetzt-richtig-schwedisch“-Moderatorin ist. Auf dem Marktplatz werden wieder 40 Frauen und Männer das Leben der damaligen Zeit nachstellen, inklusive der königlichen Leibgarde aus Stockholm, die extra anreist. Stockholm nach Wismar – das ist eine Reise, die in der Airbnb-Suche auftaucht und bei der man sich fragt, warum.
Außerdem auf dem Programm: ein Kinderschwedenfest, ein Kubb-Turnier (Schwedenschach, umgangssprachlich – wer’s erfunden hat, weiß keiner so genau), und am Sonntag der Schwedenlauf, ein Volkslauf mit Strecken bis zu zehn Kilometern, dessen Start- und Zielbereich erstmals auf dem Marktplatz liegt. Danach der Schwedenweg, ein Festumzug durch die Altstadt. Wer mitmacht, läuft also durch eine Stadt, die gerade so tut, als sei sie nicht Wismar, sondern Stockholm. Mit echten Kubb-Hölzern.
Schwedenvereine, Sydney Youngblood und eine Frau namens Angela
Wie der NDR berichtet, kommen schwedische Vereine wie die „Caroliner“ extra nach Wismar. Mit dabei ist auch Angela. Angela lebt seit 35 Jahren in Schweden. Niemand weiß genau, was Angela bei diesem Fest macht, aber sie wird erwähnt, und das allein zählt.
Produkte und Musik würden dominieren und moderiert werde an vier Tagen von der schwedischen Moderatorin Viveca Lindhe.
Heiko Lange, Organisator des Schwedenfests, bei der Programmvorstellung
Der NDR überträgt das Ganze live aus Mecklenburg-Vorpommern. Am Sonnabend steht NDR-1-Radio-MV-Moderator Nils Söhrens auf der Bühne, am Sonntag führt Patrick Ortel durchs Programm. Stargast am Sonnabend: Sydney Youngblood, also der Mann mit „If Only I Could“ und „Sit And Wait“. Wer beim Schwedenfest einen 80er-Jahre-Soul-Pop-Hit aus den USA erwartet, hat das Konzept entweder verstanden oder endgültig nicht.
Bis zu 100.000 Besucher und die Frage nach dem Wieso
Die Stadt und die Veranstalter rechnen mit bis zu 100.000 Besuchern. Hunderttausend. In einer Stadt mit nicht mal fünfzigtausend Einwohnern. Eröffnet wird das Volksfest traditionell von Bürgermeister, Landrat und Ministerpräsidentin – also den drei Menschen, die sich am besten damit auskennen, dass Schweden seit 1903 nicht mehr da ist und trotzdem jedes Jahr so tut, als wäre es noch so.
Man kann das kitschig finden oder charmant. Man kann auch einfach nur den Kopf schütteln und hingehen, weil Kubb-Turniere nun mal besser sind als der xte Frühlingsmarkt in irgendeiner Kleinstadt. Wismar hat wenig, aber es hat ein Schwedenfest. Und wenn schon Selbstvergewisserung, dann richtig schwedisch. Auch wenn das in der Praxis bedeutet, dass am Ende Sydney Youngblood aus St. Louis, Missouri, auf dem Marktplatz steht und „Sit And Wait“ singt, während eine 35-jährige Schwedin daneben steht und so tut, als wäre 1648.
Immerhin: Wer noch nie in Malmö war, bekommt in einem Monat wenigstens Wismar mit schwedischem Akzent. Reicht fürs Erste.
Foto: Dr. Wilfred Krause / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Quelle: Tagesschau
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