Wismar hat ein Problem erkannt, das Mecklenburg-Vorpommern seit Jahrzehnten zuverlässig produziert: Jugendliche wollen abends irgendwo hin, aber der öffentliche Nahverkehr hat längst Feierabend. Die Lösung kommt jetzt auf zwölf Metern Länge. Ein ehemaliger Linienbus wurde zum Disco-Bus umgebaut und soll in Wismar und den umliegenden Dörfern für gute Stimmung sorgen. Weil der Bus nicht zur Disco fährt, ist er die Disco.
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Der mobile Jugendklub wird vom Verein Mobiler Jugendklub e. V. getragen. Im Bus gibt es eine Tanzfläche von rund fünf mal zweieinhalb Metern, Licht- und Musikanlage sowie einen DJ-Stand. Also alles, was eine normale Dorfparty braucht – plus Räder, eine Karosserie und die realistische Chance, dass der Veranstaltungsort tatsächlich dort auftaucht, wo die Jugendlichen wohnen.
„Komme ich nicht zur Disco, kommt die Disco zu mir“ – ein Verkehrskonzept, das in MV mehr bewegt als mancher Linienfahrplan.
50.000 Euro für Bass statt Busverkehr
Das Land hat 50.000 Euro aus dem Bürgerfonds für den Ausbau des Busses bereitgestellt. Aus Sicht von Sozialministerin Stefanie Drese ist das gut angelegtes Geld. Und tatsächlich: Für 50.000 Euro bekommt man in Mecklenburg-Vorpommern offenbar entweder einen mobilen Jugendklub oder ungefähr drei halbe Konzepte für einen Spätfahrplan. Der Disco-Bus hat zumindest den Vorteil, dass er bei der Abfahrt nicht erst eine Machbarkeitsstudie benötigt.
Staatsministerin Elisabeth Kaiser besuchte den Bus im Rahmen ihrer Pressereise. Das ist konsequent: Wenn die Bundesregierung wissen will, wie Ostdeutschland mit geografischen Herausforderungen umgeht, reicht ein Blick auf die Landkarte nicht. Man muss in einen ehemaligen Linienbus steigen und feststellen, dass der DJ-Stand besser ausgestattet ist als manche Bushaltestelle.
Die mobile Antwort auf die leere Nacht
Das Projekt trifft einen echten Nerv. Ohne Führerschein, Auto oder Spätfahrplan wird der Weg zur Disco in vielen ländlichen Regionen schnell zur sozialen Auslese: Wer mit darf, hat Glück. Wer nicht, hat am nächsten Morgen immerhin ausgeschlafen. Der Disco-Bus dreht dieses Prinzip um. Er fährt dorthin, wo die Jugendlichen sind, und verlangt nicht, dass sie erst ihre eigene Verkehrswende organisieren.
Natürlich ist der Bus keine Lösung für den Nahverkehr. Er fährt nicht jeden Dienstag um 23.14 Uhr nach Hause, hält nicht zuverlässig an jeder Haltestelle und ersetzt keinen funktionierenden Fahrplan. Aber er ist eine ziemlich elegante Antwort auf ein Problem, das sonst gerne in Strategiepapiere gepackt wird. Licht an, Musik an, Bus los. Drei Verben, und schon ist mehr Bewegung im ländlichen Raum als nach manchem Förderbescheid. (nahverkehr)
Wismar hat damit eine Disco auf Rädern. Schwerin könnte daraus lernen und seine Sitzungsräume ebenfalls mobil machen. Ein Ausschuss für Jugend, Kultur und Verkehr fährt dann einfach dahin, wo noch jemand zuhört. Der DJ legt auf, die Verwaltung tanzt, und wenn der letzte Bus ausfällt, ist wenigstens die Sitzung noch nicht vorbei.
Foto: Roman Ska / Pexels / Symbolbild: Bus bei Nacht
Quelle: Regierungsportal Mecklenburg-Vorpommern
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