Infrastruktur

Wismar sagt Nein, Schwerin schweigt: Wonnemar-Baustelle wird zum Denkmal des Stillstands

Die Wismarer Bürgerschaft hat dem Wonnemar-Betreiber Interspa am Donnerstag einen Strich durch die Rechnung gemacht: 264.000 Euro wollte das Unternehmen gestundet bekommen – die Stadt hat den Antrag auf Stundung offener Gewerbe- und Grundsteuerforderungen postwendend abgelehnt. Insgesamt stehen Wonnemar-Gesellschaften in der Hansestadt mit rund 750.000 Euro in der Kreide. Während Wismar jetzt also über die Zukunft seines Standortes nachdenken muss, kratzt sich die Landeshauptstadt verwundert am Kopf.

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Denn in Schwerin, der Hauptstadt eines ganzen Bundeslandes, sieht es nicht besser aus – nur dass hier niemand offiziell darüber redet. Auf dem Gelände des ehemaligen Sportparks Belasso, mitten in der Stadt, soll seit Jahren das nächste große Wonnemar-Resort entstehen. Geplant sind ein Erlebnisbad, eine Saunalandschaft, Gastronomie, ein Hotel und weitere touristische Angebote. Was bisher davon zu sehen ist: eine Baustelle, die so still daliegt, dass selbst Spaziergänger die Krähe auf dem Bauzaun mit Namen kennen.

Landeshauptstadt des Stillstands

Monatelang ist auf der Baustelle nichts passiert, berichtet die Schweriner Lokalredaktion in einer eigens aufgemachten Analyse. Einen direkten Zusammenhang zwischen Wismar und Schwerin bestätigt offiziell niemand – verständlich, wenn man bedenkt, dass schon der leiseste Hinweis peinlich wäre. Schließlich hat Schwerin jahrelang die Hoffnung mitgetragen, mit dem Resort das marode Freizeitangebot der Landeshauptstadt auf ein Niveau zu hieven, das Reiseführer nicht mehr reflexartig als „Schwerin hat einen schönen See, mehr nicht“ abtun.

Die Wismarer Begründung für die Ablehnung ist im Übrigen ein kleines Meisterwerk der Bürokratie-Poesie: „angespannte Liquidität“ und „andere vorrangige Verpflichtungen“. Auf Schwerin-Deutsch übersetzt heißt das: Wir haben kein Geld, und das, was wir haben, muss woanders hin. Man darf davon ausgehen, dass dieselbe Sprache in der Landeshauptstadt nur noch nicht offiziell auf dem Papier steht.

„Ich fahre da täglich mit dem Rad vorbei. Anfangs dachte ich noch, die bauen heimlich und schließen nachts die Läden ab. Mittlerweile glaube ich, die Kräne sind eingefroren.“

Symbol einer größeren Misere

Das Wonnemar-Projekt steht sinnbildlich für eine Stadt, die sich selbst immer wieder als „Landeshauptstadt mit Potenzial“ verkauft, während die wichtigsten Großprojekte der vergangenen Jahrzehnte entweder gar nicht, halb oder mit deutlicher Verspätung an den Start gehen. Man erinnere sich nur an den maroden Zustand des Hauptbahnhofs, an die ewige Debatte um einen ICE-Anschluss, an Straßen, die mehr Schlagloch als Asphalt sind. Während sich München über zweite S-Bahn-Stammstrecken streitet, streitet sich Schwerin darum, ob die Stadtbibliothek samstags überhaupt aufhat.

Die Interspa-Gruppe selbst schweigt zur Schweriner Baustelle beharrlich – Presseanfragen werden, wenn überhaupt, mit auswendig gelernten Sätzen über „Projektanpassungen“ und „Marktentwicklungen“ beantwortet. In der Schweriner Stadtverwaltung heißt es derweil, man sei „in konstruktiven Gesprächen“. Das ist der Satz, mit dem in Schwerin jedes gescheiterte Großprojekt seinen Gnadentod erhält.

Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt haben unterdessen gelernt, ihre Erwartungen realistisch zu kalibrieren. Wer am Belasso-Gelände vorbeiläuft, hebt inzwischen nicht mal mehr den Blick. Der Bauzaun ist Teil des Stadtbildes geworden wie das Schloss oder der Fauler See – nur dass das Schloss wenigstens noch verkauft werden kann, wenn der Tourismus irgendwann ganz aufgibt.

Was bleibt, ist die Aussicht, dass irgendwann einmal der Stadtkämmerer eine Pressemitteilung herausgibt, in der steht: „Die Stadt Schwerin hat sich in gegenseitigem Einvernehmen vom Wonnemar-Projekt getrennt.“ Bis dahin bleibt das Gelände eine Art Open-Air-Mahnmal für den Unterschied zwischen Broschüre und Baustelle.

Foto: Svetlov Artem / Wikimedia Commons / CC0

Quelle: Schwerin-Lokal

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