Schwerin – Es ist Sonntag, der 12. Juli, kurz vor 14 Uhr. Auf dem Schweriner Innensee, einem Gewässer, auf dem an Sommertagen eigentlich Tretbootkapitäne, Stand-up-Paddler und Familien mit Kindern unterwegs sind, dreht ein 4-PS-Angelboot seine Runden. Ohne Kennzeichen. Dafür mit ordentlich Alkohol an Bord – wie sich herausstellt, als die Wasserschutzpolizei Schwerin (WSPI) das Sportboot im Rahmen einer Streife anhält. Die Promille-Anzeige danach: 1,85.
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Man kann der Schweriner Bootsführung zugutehalten, dass sie offenbar keinen Führerschein braucht: Weder einen fürs Boot noch einen fürs Auto. Nur Mut. Und ein Mindestmaß an Orientierung, das offenbar nicht zu den Grundvoraussetzungen gehört, wenn man in der Landeshauptstadt aufs Wasser will. Seen, Schilf, Schloss im Hintergrund – und vier PS reichen in Schwerin offenbar, um das eigene Ego mitzureißen.
Die Wasserschutzpolizei hat mit Sonntagsschicht gerechnet – nicht mit dieser Besatzung
Die Wasserschutzpolizei stoppt das Angelboot, prüft die Papiere – die fehlen – und nimmt Alkoholgeruch wahr. Atemalkoholtest: 1,85 Promille. Blutentnahme: angeordnet. Strafverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr: eingeleitet. Die Fahrt durfte nicht fortgesetzt werden. Der Innensee hatte an diesem Tag einen Bootsführer weniger – und die WSPI einen Fall mehr auf dem Zettel.
Die Wasserschutzpolizei weist in solchen Meldungen routiniert darauf hin, dass die 0,5-Promille-Grenze auch beim Führen von Booten gilt – und Werte über 1,1 Promille strafrechtlich relevant sind. In Schwerin ist diese Lektion offensichtlich noch nicht bei allen Seefahrern angekommen. Vier PS, ein Sonntag, ein Schweriner Innensee – was braucht es mehr, um zu kapitulieren?
„In Schwerin lässt man am Sonntag den Innensee glitzern, das Angelboot tuckern und sich selbst das Denken. Willkommen in einer Landeshauptstadt, in der die Promille-Grenze eine Empfehlung ist und das Kennzeichen Geduld erfordert.“
Landeshauptstadt mit Strandkultur und Selbstbedienung
Was die Meldung über ein einzelnes Angelboot so klein macht, macht sie über die Stadt so groß: In Schwerin wird der öffentliche Raum gern mal mitgenommen. Wer auf dem Innensee paddelt, hat Seen, Schilf und Schloss im Blick – wer mit 1,85 Promille ohne Kennzeichen schippert, hat im Zweifel nur sein eigenes Spiegelbild im Sinn. Dazu passt, dass Schwerin bundesweit einen Ruf als Stadt pflegt, in der vieles etwas länger dauert – auch die Erkenntnis, dass 0,5 Promille auf dem Wasser exakt das gleiche bedeutet wie auf der Straße.
Andererseits: Man kann es auch sportlich sehen. Wer in Schwerin ohne Kennzeichen und mit 1,85 Promille auf einem 4-PS-Boot über den Innensee schippert, beweist immerhin Rückgrat. Die WSPI hat das Kennzeichen nicht gefunden – aber sie hat den Bootsführer gefunden. Es braucht also nicht viel, um in Schwerin aufzufallen: ein fehlendes Schild, ein Atemtest, ein Sonntag.
Immerhin: Die Schweriner Innenstadt ist mit ihren Seen, Parks und Schloss ufernah genug, um das nächste gekennzeichnete, trockene und sichere Bootserlebnis schnell zu finden. Man muss nur nicht aus Versehen das eigene Innensee-Boot kapern – und am Ende mit einem Strafverfahren statt mit Sonnenbrand nach Hause fahren.
Foto: Marija Zaric / Unsplash
Quelle: SN-Aktuell
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