Der Schweriner Zoo steht nach dem Tod des drei Monate alten Giraffenbullen Kato unter Druck. Anfang Juli musste das Kalb eingeschläfert werden, nachdem eine Fraktur im Bereich der Halswirbelsäule festgestellt worden war. Die Tierrechtsorganisation Peta nutzt den Fall jetzt für eine grundsätzliche Forderung: Schluss mit der Giraffenhaltung in der Landeshauptstadt, Nachzucht- und Importverbot für Zoos bundesweit. In einem offenen Brief an Zoodirektion und Schwerins Oberbürgermeister Sebastian Ehlers heißt es, „die empfindlichen Giraffen können in Gefangenschaft nicht tiergerecht gehalten werden und haben nichts im Zoo zu suchen“.
Der Zoo wehrt sich – und zwar mit Verve. Die Haltungsbedingungen seien „natur- und artgerecht“, die Tiere lebten in einer „nahrungsnahen Sozialstruktur auf einer reich strukturierten Anlage, die im Rahmen von Umweltbereicherungs-Maßnahmen seitens des Tierpflege-Teams ständig abwechslungsreich verändert wird“, so eine Sprecherin gegenüber Schwerin-Lokal. One Plan Approach, nennt der Zoo das eigene Konzept: Reservepopulationen in menschlicher Obhut plus Artenschutzprojekte in den Ursprungsländern. Im konkreten Fall gehe es um Nubische Giraffen – weltweit weniger als 4.000 Tiere in freier Wildbahn, Unterart „kritisch vom Aussterben bedroht“.
50 vorzeitige Tode seit 2007
Peta verweist auf eine eigene Erhebung: Zwischen 2007 und 2026 seien in deutschen Zoos rund 50 Giraffen vorzeitig gestorben. Beengte Gehege, lange Winter-Aufenthalte im Stall und Verhaltensstörungen seien in menschlicher Obhut strukturell. Außerdem, so der Peta-Vorwurf, würden in deutschen Zoos geborene Giraffen „nicht ausgewildert“ – das Artenschutz-Argument der Zoos sei damit eine „allgemeine Behauptung ohne Bezug zur konkreten Situation im Zoo Schwerin“, kontert der Zoo. Peta wolle „Spendengelder lieber in Schutzprojekte in den Herkunftsländern umleiten“.
Die Aussage, Zoos leisteten keinen Beitrag zum Artenschutz, entspricht weder dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand noch der internationalen Naturschutzpraxis.
Zoo Schwerin, Stellungnahme
Was bleibt: politisch ungemütlich, fachlich offen
Der Schweriner Fall Kato ist nicht der erste: Bereits 2024 wurde im selben Zoo ein Giraffenkalb von Mutter Daisy nicht angenommen und kurz nach der Geburt getötet. Die Stadt hält sich aus der inhaltlichen Debatte bislang heraus – zuständig wäre der Zoo als Eigenbetrieb des Landes, das Land wiederum sitzt mit Peta im gleichen politischen Boot wie jede andere Artenschutz-Diskussion. Schwerin hat jetzt einen Politikum, das nicht nur Zoofreunde spaltet, sondern auch Tier- und Artenschützer: Die einen werfen dem Zoo vor, Tiere auszustellen; die anderen werfen Peta vor, mit einem Einzelfall eine ganze Erhaltungszucht-Strategie zu kippen.
Eines lässt sich heute schon sagen: Das nächste Jungtier im Zoo wird genau beobachtet werden – und das nicht nur von Zoologen.
Foto: inkknife_2000 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0
Quelle: Schwerin-Lokal
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