Schwerin macht wieder Wasserwacht. Klingt erstmal nach Normalität — ist aber in Wahrheit das Ergebnis eines dreiwöchigen Verwaltungs-Theaters, in dem die Stadt ernsthaft diskutiert hat, ob 36.000 Euro im Jahr für die Sicherheit von tausenden Badegästen zu teuer sind. Die Antwort kam am Ende: nein, ist es nicht. Aber bis dahin war es ein ordentliches Stück Schweriner Behördenposse.
Ab heute sitzen wieder Rettungsschwimmer am Schweriner Hauptstrand. Täglich von 13 bis 19 Uhr, an Wochenenden und in den Ferien sogar schon ab 12 Uhr. Bis Ende August. Vorher — also in der Theorie der Stadtverwaltung — sollten sie eigentlich gar nicht da sein, weil die Wasserwacht in diesem Jahr nur während der Sommerferien eingeplant war. Was im Klartext bedeutet: ausgerechnet in den Monaten, in denen das Wetter in MV überhaupt badetauglich wird, sollte aus Geldgründen niemand aufpassen. (schwerin)
Die Verwaltung sagt: lieber Kalkwerder
Die Stadtverwaltung lehnte den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen/Die PARTEI und der UB/FDP-Fraktion zunächst ab. Die Begründung las sich wie ein innerer Monolog zur Eigenverantwortung: Mit der bewachten Badeanstalt Kalkwerder gebe es „ein weiteres überwachtes Badeangebot in der Nähe“. Und: Badegäste an natürlichen Gewässern „trügen ein höheres Maß an Eigenverantwortung“. Was im Behörden-Deutsch so viel heißt wie: wer im See schwimmt und untergeht, ist selber schuld. Die geschätzten Mehrkosten: rund 36.000 Euro. Für Lebensrettung. Pro Saison.
Zusätzliche Kosten von rund 36.000 Euro sowie fehlende Finanzierungsvorschläge.
— Stadtverwaltung Schwerin, in der Ablehnung des Antrags
CDU wollte das Thema auf 2027 schieben
Die CDU brachte einen Ersetzungsantrag ein, der die Wasserwacht erst im Jahr 2027 auf den Prüfstand stellen wollte. Man ahnt, wie der Prüfstand in der CDU-Phantasie aussieht: ohne Wasserwacht. Der Antrag fand keine Mehrheit. Was am Ende steht, ist ein klassischer Schweriner Kompromiss: die Wasserwacht kommt wieder, aber nur, weil die Stadtvertretung die Verwaltung dazu gezwungen hat. Freiwillig wäre es nicht passiert.
Immerhin: der Oberbürgermeister hätte der Entscheidung widersprechen können. Darauf wurde „ausdrücklich verzichtet“. Wie gnädig.
Zurück auf Stand 2024 — und auch das nur halbherzig
Wer jetzt am Zippendorfer Strand steht und die Rettungsschwimmer sieht, darf sich übrigens nicht zu viel dabei denken. Bis 2025 war die Wasserwacht dort von Ende Mai bis Mitte September im Einsatz. Aktuell ist sie gerade mal von Anfang Juli bis Ende August da — also exakt in dem Zeitfenster, in dem die Stadtverwaltung einen Kompromiss für politisch durchsetzbar hält. „Lebensrettung light“ sozusagen. Der Rest des Sommers bleibt: Eigenverantwortung, Kalkwerder, Glücksspiel mit dem Wetter.
Für Badegäste heißt das: ab heute bis Ende August ist der größte Badestrand der Landeshauptstadt bewacht. Davor und danach gilt das Schweriner Prinzip Hoffnung.
Foto: Ciara Ní Riain / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Quelle: Schwerin-Lokal
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