Brüel – Wenn in Mecklenburg-Vorpommern das Wasser knapp wird, dann ist Schwerin „nicht ganz“ betroffen. So sagt es Andrea Oleak, Geschäftsführerin des Wasser- und Bodenverbandes (WBV) Obere Warnow, ganz trocken. Ihr Verband ist zuständig für 750 Kilometer Gewässer zwischen Neukloster, Crivitz und Weitendorf – und im Westen reicht das Gebiet „nicht ganz bis zum Schweriner See“, wie sie dem Nordkurier erklärte. „Nicht ganz“ ist in Schwerin der häufigste Abstand zur Realität.
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Pegelstände: Alles unter Kontrolle, alles halbherzig
Der Pegel der Warnow bei Weitendorf liegt nach Verbandsangaben wenige Zentimeter unter dem sogenannten Mittelwasser. Das klingt beruhigend, beschreibt aber exakt den Zustand der Landeshauptstadt: ein paar Zentimeter unter dem, was nötig wäre. Die Verbandschefin fasst die Lage mit dem Satz zusammen, den man in Schwerin eigentlich auf den Stadteingang gravieren könnte: „Wir hatten es schon schlimmer.“
Was tut der Verband? Man „dreht zu“. Stauanlagen seien bereits zugedreht, Wehre reguliert worden – etwa in Langen Jarchow am Neuhofer See in der Sternberger Seenlandschaft. Krautschnitt, der normalerweise jetzt läuft, wird auf September verschoben, weil das Kraut den Wasserabfluss stabilisiert. Die Verbandsstrategie liest sich wie ein Schweriner Haushalt: viel verwalten, wenig bewegen, Termin verschieben.
„Wasser wird immer entnommen, wenn es trocken ist“, sagt Andrea Oleak. Sie würde eine einheitliche Regelung begrüßen, ist aber nicht zuständig. Genehmigungsbehörden sind die unteren Wasserbehörden der Landkreise. Der Verband gibt lediglich Stellungnahmen ab – und „meldet in der Regel Bedenken an“. In der Regel.
Grundwasser: Die Rechnung von 2018 bis 2020
Während Oberflächenwasser in der Region durch die jüngsten Regenfälle vergleichsweise stabil ist, sieht es unter der Erde düster aus. Nach der dreijährigen Trockenperiode von 2018 bis 2020 hätten sich die Grundwasserleiter nicht wieder aufgefüllt, sagt Oleak. Das ist die Art von Wahrheit, die in Schwerin gerne zwischen Tür und Angel fällt: Wir leben seit Jahren auf Pump – nur eben nicht auf Geld, sondern auf Wasser.
Ein Anwohner aus Brüel, den unsere Redaktion auf dem Wochenmarkt traf, sagte: „Wir kriegen hier kein Glas Wasser mehr geschenkt, aber wenigstens regnet es ab und zu. Das ist mehr, als die Stadt Schwerin ihren Bürgern bietet.“ Eine MV-weite Statistik zur Grundwasserlage? Fehlanzeige. 136 der 750 Gewässerkilometer im Verbandsgebiet sind verrohrt – über ihren Zustand redet niemand, weil sie unter der Erde liegen und damit in etwa so sichtbar sind wie die Schweriner Verkehrspolitik.
Immerhin: Während anderswo in Deutschland Wasserentnahme und Schifffahrt bereits eingeschränkt werden mussten, ist man zwischen Neukloster und Crivitz noch im Modus „zugedreht und abwarten“. Das ist nicht die schlechteste Nachricht des Sommers – aber sie zeigt auch: Wenn selbst die Leute, die Wasser verwalten, von „wir hatten es schon schlimmer“ sprechen, dann darf man getrost fragen, was eigentlich noch kommt.
Und Schwerin? Die Landeshauptstadt liegt „nicht ganz“ im Verbandsgebiet. Nicht ganz zuständig. Nicht ganz betroffen. Nicht ganz das, was man in einer Wasserpolitik-Krise erwarten würde. Aber voll und ganz sich selbst.
Quelle: Nordkurier
Foto: Grant Durr / Unsplash
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