Willkommen in Schwerin, liebe Leserinnen und Leser. Wer diese Woche am Mittwochmorgen den Zoo betrat, traf nicht nur auf Tierpfleger, sondern auch auf Mitarbeiter der Targobank Schwerin in Arbeitskleidung. Statt Kundengesprächen standen Hecken schneiden, Unkraut jäten und Stallarbeit auf dem Programm. Sieben Leute, Handschuhe, Werkzeug, Sonnencreme und jede Menge Tatendrang. Klingt nach einem soliden Betriebsausflug – ist aber die PR-Variante davon, wie sich eine Bank heute ein Herz für Artenschutz kauft.
Banker im Stall
Zunächst half das Team bei der Landschaftspflege: Grünschnitt einsammeln, Wege von Unkraut befreien, Außenanlagen wieder auf Vordermann bringen. Ganz nebenbei profitierten auch einige Zoobewohner von den frischen Ästen und Blättern – die liegen meistens auf dem Kompost, diesmal wohl eher im Bauch. Anschließend wechselte die Gruppe in die Tierpflege. Zwei Mitarbeiter unterstützten beim Scheren der Schafe, vier halfen beim Ausmisten des Ameisenbären-Geheges im Humboldthaus, einer packte im Tapirhaus mit an. Am Ende arbeiteten alle noch einmal gemeinsam im Gehege der Ameisenbären – woher offenbar die Schaufeln kamen, bleibt das Geheimnis der Tierpflege.
„Es ist uns eine Herzensangelegenheit, den Zoo Schwerin an unserem Freiwilligentag nicht nur mit unserer Zeit und unserer Arbeitskraft, sondern auch finanziell mit unserer Spende unterstützen zu können. Tier- und Artenschutz gewinnt in der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Deshalb ist es wichtig, lokale Einrichtungen nicht nur finanziell, sondern auch persönlich zu unterstützen.“
Dennis Brünske, Filialleiter der Targobank Schwerin
Herzensangelegenheit. Auch so ein Wort, das in der Unternehmenskommunikation gerne fällt, wenn man gerade eine Gießkanne über dem Gemüsebeet schwenkt. Aber gut: Sieben Leute, ein Arbeitstag, eine Spende von 2.000 Euro. Macht 285 Euro pro Person. Wenn man das mal ehrlich rechnet, ist das nicht gerade die ganz große Geste – aber immerhin: ehrliche Arbeit, ehrliches Geld, ehrliche Hände im Stroh.
Französisches Geld für deutsche Ameisenbären
Die Targobank ist die deutsche Tochter der französischen Genossenschaftsbank Crédit Mutuel Alliance Fédérale. Klingt erstmal weit weg, hat aber handfeste Folgen: Das Spendenbudget für die bundesweiten Freiwilligentage 2026 liegt bei 4,7 Millionen Euro. Jeder Mitarbeiter darf einmal im Jahr einen Arbeitstag in einer gemeinnützigen Organisation verbringen. Für jede gemeinsame Teamaktion legt die Bank nochmal 2.000 Euro drauf. Heißt im Klartext: Wer in Schwerin mit dem Ameisenbären-Gehege klarkommt, bekommt im Zweifel mehr Kontakt zu tapirnahen Großsäugern als mancher Stammkunde am Schalter.
Man darf das alles auch kritisch lesen. Eine Bank, die ihren Mitarbeitern erlaubt, einmal im Jahr den Anzug gegen die Gummistiefel zu tauschen, verkauft das ziemlich geschickt als gesellschaftliches Engagement. „Herzensangelegenheit“ steht dann in der Pressemitteilung, und am Ende gibt es ein gemeinsames Foto vor dem Ameisenbären-Gehege. Was bleibt, ist trotzdem ehrlicher als das, was viele Banken in diesem Land zur gesellschaftlichen Verantwortung beitragen: Ein bisschen Grünzeug, ein bisschen Spende, ein Tag im Zoo. Wer will da meckern?
Was der Zoo davon hat
2.000 Euro sind für den Zoo Schwerin kein Pappenstiel, aber auch kein Reichtum. In Zeiten, in denen über die Verwendung des Bundes-Sondervermögens gestritten wird, der Zoo um Fördermittel kämpft und die Stadt selbst an der Ausgabenseite schraubt, ist jeder Tag, an dem sieben Leute mit Schaufel und Schere anpacken, am Ende bares Geld wert. Vor allem, wenn man den normalen Tierpfleger-Alltag kennt: Die Pflege der Außenanlagen, das Ausmisten, das Scheren der Schafe – das fällt nicht aus, nur weil gerade Sparzwang herrscht. Wenn das eine Bank übernimmt, freut sich der Tierpfleger. Und der Ameisenbär offenbar auch.
Mehr über den Freiwilligentag und was die Targobank bundesweit macht, gibt es im Originalbericht beim Nordkurier.
Foto: Daiga Ellaby / Unsplash
Quelle: Nordkurier
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