Schwerin hat wieder einen Wochenplan für alle veröffentlicht, die dachten, Straßen seien zum Fahren da. Vom 13. Juli bis voraussichtlich 21. August lässt der Eigenbetrieb SDS die Fahrbahn in der Greifswalder Straße und den Verbindungsweg Greifswalder Straße – Am Immensoll instand setzen. Nebenbei werden im Wendebereich auch Bushaltestellen und Gehwege erneuert. Das klingt nach Infrastruktur. In Schwerin klingt es vor allem nach: Bitte lernen Sie jetzt eine neue Umleitung auswendig.
Vollsperrung als städtisches Fitnessprogramm
Zwischen Gadebuscher Straße und Zufahrt Einkaufscenter wird die Greifswalder Straße vom 13. Juli bis voraussichtlich 3. August voll gesperrt. Die Umleitung läuft über die Straße Am Neumühler See, die Zufahrt zum Einkaufscenter soll trotzdem möglich bleiben. Danach folgt vom 3. bis voraussichtlich 21. August der nächste Abschnitt zwischen Einkaufscenter-Zufahrt und Beginn des Wohngebiets – wieder Vollsperrung, wieder Umleitung, wieder dieses ganz besondere Schweriner Gefühl, dass der schnellste Weg durch die Stadt grundsätzlich gestern existiert hat.
Ein fiktiver Anwohner fasste die Lage nüchtern zusammen: ‚Ich wollte nur Brötchen holen und habe unterwegs drei Stadtteile, zwei Baustellenphilosophien und meine Geduld verloren.‘
Am Immensoll werden vom 13. Juli bis 3. August Asphaltierungsarbeiten am Verbindungsweg durchgeführt. Auch dort gilt: Vollsperrung. Die Abfallentsorgung sei organisiert, heißt es. Immerhin. Wenn schon niemand durchkommt, soll wenigstens der Müll nicht demokratisch mitwarten müssen. Die Haltestellen der Linie 14 im Wohngebiet Am Mühlenberg und in Lankow werden im Bauzeitraum nicht bedient – ein kleiner Servicehinweis für alle, die Nahverkehr noch als Fortbewegung und nicht als Charakterprüfung verstanden haben.
Dazu kommen die Kurzzeit-Sperrungen: Die Von-Flotow-Straße ist am 11. Juli zwischen Zufahrt Sportgymnasium und Zufahrt Sportplatz Lambrechtsgrund von 10 bis 13 Uhr wegen der 19. Deutschen Zollmeisterschaften dicht. Am 12. Juli wird außerdem der Markt von 11 bis 17 Uhr wegen der Veranstaltung ‚Ich & Wir – Wandelkonzert im Regierungsviertel‘ für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Die Zufahrt zur Schusterstraße und zur Tiefgarage Buschstraße läuft über die Schloßstraße. Schwerin nennt das Verkehr. Andere Städte würden es vielleicht Escape Room nennen.
Man kann das alles natürlich als notwendige Bauarbeit sehen. Ist es auch. Aber in einer Landeshauptstadt, in der jede Sperrung sofort wirkt, als hätte jemand die Stadtplanung auf Zufallsgenerator gestellt, bleibt die Pointe ziemlich trocken: Schwerin repariert seine Wege – und beweist dabei zuverlässig, dass der Weg selbst das Problem ist.
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Foto: Markus Spiske / Pexels
Quelle: SN-Aktuell
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