Schwerin/Kritzmow. Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Knapp 96.000 Einwohner. Und Umweltminister Dr. Till Backhaus (SPD), der mal wieder durchs Land tourt und Eröffnungen zelebriert, als gäbe es kein Morgen. Diesmal: Der FC Hansa Rostock und die Landesforstanstalt haben im Fahrenholzer Holz bei Kritzmow einen 325 Hektar großen Hansa-Wald aus der Taufe gehoben – mit drei Rundwegen, einem „Hansa Recovery Trail“ und einem Umweltbildungsprogramm, das so ehrgeizig klingt wie die Schweriner Stadtplanung inklusive autofreiem Marienplatz. Während Schwerin noch über die Bepflanzung des Schlossgartens diskutiert, pflanzt Rostock schon mal ganze Wälder. Mit FC Hansa. Und mit einem Minister, der jeden Spatenstich persönlich inszeniert.
Wenn Landespolitiker Wälder eröffnen wie Tankstellen
Es ist nicht irgendein Wald. Es ist ein Hansa-Wald. Klingt nach Markenrecht, nach langwierigen Verhandlungen mit dem FC Hansa Rostock, nach Presseterminen, bei denen ein Verein und ein Ministerium sich gegenseitig versichern, dass man ja eigentlich total unabhängig voneinander agiert. 325 Hektar, ein paar Rundwege mit einem, 2,5 und drei Kilometern Länge, dazu die schwurbelige Ansage: „Unsere Wälder sind heute weit mehr als Holzlieferanten. Sie schützen Klima und Artenvielfalt, speichern Wasser und CO₂, sind Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten und zugleich wichtige Orte der Erholung.“ Wow. Da hat jemand im Ministerium die Pressemitteilung mit dem vollen Vokabular der politischen Wohlfühlkommunikation gefüllt. Schwerin darf weiter vom autofreien Marienplatz träumen – Rostock hat jetzt einen Wald.
Zum Start stehen drei ausgeschilderte Rundwege zur Verfügung. Sie richten sich an Familien, Spaziergängerinnen und Spaziergänger, Läuferinnen und Läufer sowie alle Menschen, die den Wald aktiv erleben möchten. Drei Wege, jeder mit klangvoller Länge, jeder beschildert, jeder gefördert. Wer sich in Schwerin ein Schild „Hier entsteht ein neuer Radweg“ wünscht, muss auf den 30-Meter-Bauabschnitt in Dorf Mecklenburg ausweichen. Der dauert zwar seit 2024 an, aber immerhin steht da ein Schild.
„Unsere Wälder sind heute weit mehr als Holzlieferanten. Sie schützen Klima und Artenvielfalt, speichern Wasser und CO₂, sind Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten und zugleich wichtige Orte der Erholung.“ – Forstminister Backhaus, irgendwo zwischen Kritzmow und der politischen Bedeutungslosigkeit.
Schweriner Perspektive: Wenn die Landeshauptstadt nur zugucken darf
325 Hektar Wald. Drei Rundwege. Ein „Hansa Recovery Trail“ in der Planung. Umweltbildungsangebote, Familienaktionen, Präventions- und Gesundheitsprojekte. So sieht das also aus, wenn ein Landesministerium mit einem Fußballverein kooperiert, der in der 3. Liga kickt und gerade eine neue Saison einläutet. Man nehme: ein Stück Wald, ein Minister, einen Vereinsnamen, drei Rundwege und eine Pressemitteilung, in der jeder Satz mit „Wir“ beginnt und mit „Zukunft“ aufhört. Fertig ist die Eröffnungs-Inszenierung. Dagegen wirkt der Schweriner Schlossgarten, der alle zehn Jahre mal eine neue Bank bekommt, wie ein Biotop der Verzagtheit. (naturschutz)
Die Wahrheit ist: Mecklenburg-Vorpommern liefert solche Eröffnungen am laufenden Band. Hansa-Wald, Elbtower-Aufsichtsräte, Buga-Pressekonferenzen. Das Land investiert in große Symbole und lässt die kleinen Probleme – kaputte Brücken, leere Innenstädte, ein Bahnnetz, das mehr Schlagloch als Strecke ist – höflich unbeachtet. Schwerin als Landeshauptstadt sitzt zwischen diesen Inszenierungen wie der nervöse Onkel auf der Familienfeier: Man darf zusehen, aber bitte keine unangenehmen Fragen stellen. Was soll man auch fragen? Till Backhaus hat gerade einen Wald eröffnet. Da wirkt jede Kritik kleinlich.
Foto: Alexander Bagno / Unsplash
Quelle: Regierung MV
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