Schwerin hat ein neues Ausflugsziel für alle, die ihre Neugier auf das unterhaltsamste Kapitel der DDR-Geschichte noch nicht ganz befriedigt haben: das Bundesarchiv – Stasi-Unterlagen-Archiv im Resthof Görslow bei Leezen. Am Samstag, 25. Juli, um 14.30 Uhr stellt die Historikerin Dr. Steffi Brüning dort ihre neuesten Erkenntnisse zu „Prostitution in der DDR“ vor. Schweriner Schlagzeilen vom feinsten: Stasi, Sex und Schwerin – das Ganze bei freiem Eintritt.
Honigfallen, Spitzel, DDR-Bordell-Realität
Brüning, die offenbar die DDR-Akten von Schwerin bis Wismar akribisch durchgepflügt hat, geht den ganz großen Fragen nach: Wie rekrutierte das Ministerium für Staatssicherheit Prostituierte als Inoffizielle Mitarbeiterinnen? Welche Tricks nutzte die Stasi, um an westliche Diplomaten, Journalisten und Besucher heranzukommen, ohne dass es im Honeymoon-Suite-Spind albern wurde? Und wie konnten sich die betroffenen Frauen überhaupt noch in der zweiten Reihe bewegen, ohne sofort in der nächsten Kreiskartei zu landen? Wer jetzt denkt, das klingt nach einem Plot fürs Kino: Stimmt. Aber es ist die nüchtern-akademische Variante davon, präsentiert im Originalschauplatz, wo früher tatsächlich Akten über Schuhe und Bettlaken gestapelt wurden.
„Während bei der ersten Veranstaltung im vergangenen Jahr vor allem die historischen Hintergründe im Mittelpunkt standen, geht es diesmal um konkrete Biografien und persönliche Schicksale. Brüning untersucht, wie das Ministerium für Staatssicherheit Frauen aus dem Prostitutionsmilieu als Inoffizielle Mitarbeiterinnen anwarb und für eigene Zwecke einzusetzen versuchte.“ – Veranstaltungsankündigung im Schweriner Stadtmagazin.
Lebensgeschichten aus dem DDR-Norden
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen laut Ankündigung schwerin.news die Frauenbiografien aus dem Norden: Wer waren die Prostituierten in Rostock, Wismar, Neubrandenburg – und was passierte, wenn die Stasi sie anwarb? Welche Repressionen kamen nach der Polizeiakte? Und wie versuchten die Frauen, zwischen Sex-Arbeit, Stasi-Versprechen, Kuppelei-Vorwürfen und einem radikal überwachenden Staat zu überleben – ohne in Schubhaft oder psychiatrischer Klinik zu landen? Brüning will das in den Akten sichtbar machen. Wer jetzt denkt, „Archiv ist langweilig“, hat noch nie in Stasi-Akten geblättert. Da wird jede zweite Seite zur Soap, je tiefer man buddelt.
Görslow statt Ostseebad
Dass die Veranstaltung ausgerechnet im Resthof Görlow bei Leezen stattfindet – fünfzehn Kilometer südlich von Schwerin gelegen – ist Programm. Hier, in historischer Gutshaus-Atmosphäre, archiviert die Bundesbehörde die ostdeutsche Vergangenheit. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Wer den ÖPNV scheut: Auto, Fahrrad oder die nächste Schweriner S-Bahn-Lücke bringen einen hin. Archiv-Führungen, Beratung zur Antragstellung auf Akteneinsicht und das passende Buchgespräch runden das Programm ab. Termin: Samstag, 25. Juli 2026, 14.30 Uhr, Resthof Görslow. Hauptsache, man kommt ohne Stasi-Vergangenheit. Schwerin hat im Sommer 2026 gefühlt mehr Akten-Lesungen als Freiluft-Konzerte – aber das ist eine andere Geschichte.
„Ich bin gespannt, was die Historikerin uns zeigt. Mein Mann hat in der Wendezeit Akteneinsicht beantragt. 1.200 Seiten über unsere Nachbarn – nur nichts über uns selbst. Macht Laune auf den Sommer.“ – Karin B. (71), Rentnerin aus Schwerin.
Foto: Tahir Xəlfəquliyev / Pexels
Quelle: schwerin.news
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