Schwerin (je) – In der Schweriner Weststadt steht eine Halle, die gleichzeitig Schulkindern, Vereinen, Skatern, Bouldernden, Beachvolleyballern, Tennisspielern und Kampfsportlern gehören könnte. Oder auch niemandem. Denn die Stadtverwaltung prüft derzeit fünf Nutzungskonzepte für die BMK-Halle, ohne sich festzulegen – und ohne das nötige Kleingeld für die Sanierung in der Hinterhand zu haben.
Die fünf Ideen, die der Stadtverwaltung vorliegen, lesen sich wie die Wunschliste eines Zwölfjährigen: Skaterhalle, Beachhalle, Boulderhalle, Tennishalle, Kampfsporthalle. Plus ein bisschen kulturelles Beiwerk – Treffpunkt, Veranstaltungen, das Übliche halt.
Das Konzept hinter den Konzepten
Was nach einem kreativen Ideenwettbewerb klingt, ist in Wahrheit ein klassisches Schweriner Verwaltungsverfahren: Die Stadt prüft, weil sie prüfen muss. Die Konzepte werden bewertet, sobald die Bewertungskriterien erarbeitet sind. Wann das so weit ist, sagt eine Sprecherin auf Anfrage nicht. Es klingt ein bisschen nach: Wir haben null Plan, aber wir nennen es Konzeptprüfung.
Die Halle selbst ist marode genug, dass sie umfassend saniert werden müsste. Nur: Wer das bezahlt, ist nicht die Stadt. Die teilt der NDR-Redaktion unumwunden mit: „Das werde die Stadt nicht übernehmen“, so eine Sprecherin. Wer also den Zuschlag für die BMK-Halle bekommt, bekommt ein Sanierungsprojekt obendrauf – und zwar ein nicht unerhebliches.
„Mir ist egal, ob die Halle danach eine Skaterhalle oder ein Yoga-Tempel wird. Hauptsache, meine Tochter hat irgendwann wieder einen Ort zum Turnen. Ich will eine Eishalle.“
– Marco F. (44) und seine Tochter Lotta (9), Schwerin-Weststadt
Schulklassen müssen ab 2028 zusehen, wo sie bleiben
Immerhin: Die jetzigen Nutzer – Schulklassen und Vereine – bekommen eine neue Bleibe. Ab 2028 sollen sie in eine neue Sporthalle umziehen, die bis dahin fertig sein soll. So der Plan. Ob der Plan hält, ist eine andere Frage, denn in Schwerin wurde schon so mancher Neubau eingeweiht, der vorher dreimal teurer wurde als geplant.
Schwerin hat die Qual der Wahl
Was bleibt? Fünf Konzepte, eine Stadt, die keines bezahlen will, ein Sanierungsstau, der niemanden schockiert, und eine neue Sporthalle, die 2028 fertig sein soll – in Schwerin, wo 2026 ein Radweg drei Jahre Bauzeit hat. Die BMK-Halle wird also kein neues Wahrzeichen der Weststadt. Sie wird ein weiteres Beispiel dafür, wie Schwerin Großes plant, Mittelmäßiges baut und am Ende allen die Rechnung überlässt.
Foto: Horst Sturm / Bundesarchiv / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 de
Quelle: NDR
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