Infrastruktur

Schwerins Regierung scheitert schon am eigenen Umzug: 48-Millionen-Post bleibt Rohbau

Die Landesregierung plant, die Schweriner Staatskanzlei zu sanieren. Dafür braucht sie ein Ausweichquartier. Dieses Ausweichquartier wird allerdings selbst seit Jahren saniert und ist nicht fertig. Willkommen in der Landeshauptstadt, wo inzwischen sogar der Ort, an den eine Baustelle ausweichen soll, eine Baustelle mit offenem Ende ist. Der geplante Start der Arbeiten an der Staatskanzlei ab 2027 ist deshalb verschoben. Nicht wegen fehlenden Geldes, sondern weil Schwerin beim Bauen mittlerweile Termine behandelt wie unverbindliche Wettervorhersagen.

Wie der Nordkurier berichtet, sollten die Beschäftigten der Staatskanzlei während der Sanierung in die ehemalige Hauptpost an der Mecklenburgstraße ziehen. Das Gebäude gehört seit 2019 dem Land und wird seit 2023 umgebaut. Ursprünglich sollte dort Ende 2025 alles fertig sein. Im Juli 2026 wird jedoch noch am Rohbau gearbeitet. Der Zeitplan ist damit nicht nur gerissen. Er wurde fachgerecht in den Bauschuttcontainer gelegt.

„Angesichts der eingetretenen Verzögerungen ist eine Überarbeitung der bestehenden Terminplanungen erforderlich.“

Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern gegenüber dem Nordkurier

48 Millionen Euro, aber kein belastbarer Kalender

Für den Umbau der Alten Post waren zu Beginn rund 48 Millionen Euro vorgesehen. Auf etwa 3.000 Quadratmetern sollen moderne Büros für 230 Landesbedienstete entstehen. Rund 16 Millionen Euro sind nach Angaben des Finanzministeriums bereits geflossen. Dafür gibt es Rohbau, neue Planungsfragen und einen Satz, der bei öffentlichen Bauprojekten zuverlässiger kommt als jede Fertigstellung: Ein konkreter Termin könne derzeit nicht genannt werden.

Der Hauptgrund für die Verzögerung ist die im Juli 2025 beendete Zusammenarbeit mit dem Generalplaner. Seitdem muss neu sortiert, beauftragt und abgestimmt werden. Neue Hochbau- und Fachbauleitungen sollen nun gemeinsam mit den ausführenden Unternehmen einen überarbeiteten Terminplan entwickeln. Das klingt nach Fortschritt, ist aber zunächst nur die verwaltungstaugliche Umschreibung für: Alle setzen sich noch einmal hin und versuchen herauszufinden, wann irgendetwas fertig werden könnte.

Schon im Februar hatte der NDR über den Planerwechsel und den fehlenden festen Zeitplan berichtet. Fünf Monate später ist die zentrale Erkenntnis stabil geblieben. Die Alte Post bietet Platz für 230 Arbeitsplätze, aber offenbar nicht für einen einzigen belastbaren Fertigstellungstermin. Wenigstens diese Kontinuität funktioniert.

Die Staatskanzlei altert derweil regierungsfähig weiter

Das Kollegiengebäude der Staatskanzlei wurde zuletzt vor mehr als 30 Jahren grundlegend saniert. Vor allem Gebäude- und IT-Technik müssen modernisiert werden. Genau deshalb war vorgesehen, dass die nächste Ministerpräsidentin oder der nächste Ministerpräsident nach der Landtagswahl am 20. September 2026 ungefähr ein Jahr später wieder auszieht. Das wäre politisch fast poetisch gewesen: erst ins Amt gewählt, dann wegen einer Baustelle ausquartiert.

Nun darf die Machtzentrale vorerst an Ort und Stelle weiter altern, weil das künftige Übergangsdomizil mit seiner eigenen Vergangenheit beschäftigt ist. Die Staatskanzlei kann nicht saniert werden, bevor die Alte Post fertig ist. Die Alte Post ist nicht fertig, weil der Planer weg ist. Ein neuer Termin kommt erst, wenn neue Planer und Firmen ihre Termine abgestimmt haben. Das Land hat damit eine perfekte Baukette geschaffen: Jede Verzögerung wartet ordentlich auf die nächste.

Für Schwerin ist das kein ungewöhnlicher Zustand, sondern beinahe Standortkultur. Die Radsporthalle wartet auf ihr Dach, die Alte Post auf ihren Zeitplan und die Staatskanzlei auf die Alte Post. Andere Städte bauen Gebäude. Die Landeshauptstadt baut Abhängigkeiten zwischen unfertigen Gebäuden. Das ist architektonisch zwar schwer zu fotografieren, organisatorisch aber verdammt beeindruckend.

Foto: Dguendel / Wikimedia Commons / CC BY 4.0

Quelle: Nordkurier

Weitere Quelle: NDR

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