Politik

Schwerins neuer SDS-Chef lernt seinen Betrieb kennen — inklusive Pflastersteine schleppen

Willkommen in unserer geliebten Landeshauptstadt, in der ein neuer Werkleiter nicht im Chefbüro anfängt, sondern mit Handschuhen und Gehwegplatten auf der Franz-Mehring-Straße. Seit dem 1. Juni leitet Daniel Riemer den Schweriner Stadtwirtschaftlichen Dienst (SDS) — und damit den Betrieb, der auch dafür zuständig ist, dass die Bürger nicht im Dreck versinken.

Der Mann ist 47. Er folgt auf Ilka Wilczek. Er bringt 25 Jahre Stadterfahrung mit. Er war Kämmerer. Er hat Verwaltungswissenschaften studiert. Er kennt Schwerin. Er lebt mit seiner Familie in der Paulsstadt. Er legt Wege „bewusst zu Fuß“ zurück — eine Eigenschaft, die in Schwerin beinahe schon revolutionär klingt.

Die ersten 100 Tage: alle 130 Mitarbeiter kennenlernen — inklusive Pflaster

Riemer hat sich vorgenommen, bis Ende Juli alle rund 130 Beschäftigten des SDS persönlich kennenzulernen. Dazu gehört auch: mit auf die Baustelle gehen. Erste Station war die Franz-Mehring-Straße, wo er zusammen mit Torsten Schmidt Gehwegplatten verlegte. Eine Handreichung an die Belegschaft, ein Signal an die Bürger — und vor allem: ein Foto, das diese Woche durch die Stadtverwaltung wanderte.

Man stelle sich das einmal vor: Ein Mann, der jahrelang die Kämmererei geleitet hat, kniet auf dem Bordstein und zieht eine Platte nach der anderen zurecht. Die Schweriner Rathaus-Bilder, die man so kennt, sind meistens: Podium, Mikrofon, Siegel. Das hier ist eine Gegenbewegung. Eine, bei der man sich nicht sicher sein kann, ob sie sympathisch ist — oder einfach nur gut fürs Image.

„Direkter Austausch mit den Mitarbeitenden steht für mich im Mittelpunkt.“

Daniel Riemer, neuer Werkleiter des SDS

Verwaltung, Vollstreckung, Pflastersteine — die Karriere eines Schweriners

Riemer kommt ursprünglich aus der Deutschen Bahn und hat an der Fachhochschule Güstrow Verwaltungswissenschaften studiert. Stationen in der Stadtverwaltung: Vollstreckungsinnendienst, Ausländerbehörde, Haushalt und Finanzen, Kämmererei. Acht Jahre lang dirigierte er die Finanzen einer Landeshauptstadt, die gleichzeitig um jeden Euro kämpft und jeden Euro mit zweistelligen Verwaltungskosten verwaltet. Da bleibt ein gewisser Pragmatismus — und der Wunsch, mal was Greifbares zu tun.

Genau das tut er jetzt. Pflastersteine haben den Vorteil, dass man danach wirklich sehen kann, was man gemacht hat. Bei einem Haushalt ist das in Schwerin eher nicht so — da verschwinden die Zahlen in Ausschüssen, Vertagungen, interfraktionellen Arbeitsgruppen und neuerlichen Vorlagen. Riemer weiß das. Deshalb steht er auf der Straße.

Wirtschaftsplanung 2027/2028 — Klingt nach Schweriner Zukunftsmusik

Neben dem Pflastern steht auf Riemers Liste: die Wirtschaftsplanung für 2027 und 2028. Daneben will er Digitalisierung und Liegenschaften des SDS weiterentwickeln. Das klingt ambitioniert — vor allem, wenn man bedenkt, dass Schwerins digitale Infrastruktur noch immer zu großen Teilen aus der Zeit gefühlt vor dem Mauerfall stammt. Aber sei’s drum: Mit Pflastersteinen alleine lässt sich eine Stadt nun einmal nicht modernisieren.

Eines muss man dem neuen Mann lassen: Er weiß wenigstens, wie der Betrieb tickt — wenn er zwei Wochen lang selbst mitmischt, lernt er das schneller als jeder, der im Büro sitzt. Ob das in Schwerin reicht, um wirklich was zu verändern, steht auf einem anderen Blatt. Aber zumindest weiß der Chef dann, warum die Bordsteinkante schief ist — er hat sie selbst gelegt.

Willkommen in Schwerin, wo kennenlernen bedeutet: selbst mit anpacken. Und nein, das ist kein Witz. Aber für unsere Verhältnisse schon ein Fortschritt.

Foto: sq lim / Unsplash

Quelle: Schwerin-Lokal

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