Wirtschaft

Schwerins Intercity Hotel hängt am seidenen Faden: Inder, Israeli und Franzosen stehen Schlange

Schwerins „Intercity Hotel“ – ein 180-Zimmer-Klotz aus DDR-Zeiten direkt am Bahnhof – hängt in der Schwebe. Die Revo-Gruppe, immerhin Europas größter Multibrand-Hotelbetreiber, ist im Januar pleite gegangen. Und nun stehen alle 175 Häuser in Europa zur Disposition. Sechs davon in Mecklenburg-Vorpommern. Eines in Schwerin. Mit 7 Tagungsräumen. Das ist nicht ohne.

Wenn das „Intercity Hotel“ in Schwerin fällt, fällt ein Stück Bahnhofsviertel. Der DDR-Beton ist wenigstens ehrlich. Die Bilanzen waren es offenbar nicht.

Ausländer übernehmen – wer kommt?

Während in Rostock und Stralsund schon Käufer gefunden wurden, ist fürs Schweriner Haus noch nichts in trockenen Tüchern. Wer Interesse hat? Laut „Handelsblatt“ praktisch jeder, der auf dem Markt eine Mark sieht: Prism aus Indien will 20 bis 30 Häuser unter „Sunday“ und „Belvilla“ weiterführen. Die Firma Israel Canada Hotels (ICH) greift nach fünf bis sechs Häusern. Die israelische Kette Leonardo soll 20 bis 30 Häuser übernehmen. B&B aus Frankreich steht kurz vor der Unterschrift. Motel One schnappt sich auch welche. Klingt nach einer Weltreise – nur halt mit Hotelzimmern.

Proark aus Dänemark hat im April schon zugeschlagen: „Baltic Stralsund“, „Sonne Rostock“, „Kleine Sonne Rostock“. Das „Aedenlife Hotel & Resort Rügen“ in Trent wurde dagegen dichtgemacht – eines der wenigen Häuser, das nach der Pleite nicht weiterlief. Manchmal gewinnt halt die Geografie. Oder die Insolvenzmasse.

450 Jobs weg, 5500 bleiben

Die Bilanz ist gleichzeitig tröstlich und brutal: 5500 Mitarbeiter in den Hotels sollen ihre Jobs behalten. 450 Mitarbeiter in der Berliner Zentrale wurden entlassen. Der Eigentümer Ruslan Husry hatte seine Hotelgruppe zuletzt auf rasantes Wachstum getrimmt – und ist damit wohl gegen die nächste Wand gefahren, die jeder kommen sieht, wenn man zu schnell zu groß wird. Lehrgeld auf Konzernniveau. Bezahlt wird’s halt woanders.

Für Schwerin heißt das: Bangen bis Ende nächster Woche. Dann will der Insolvenzverwalter neue Informationen rausrücken. Ob das Intercity dann einen neuen Besitzer hat, einen Investor, einen Käufer – oder einfach ein weiteres trauriges Hotel in einer traurigen Stadt, in der angeblich „Geil“ ist, aber die Übernachtungszahlen schwer nach oben kämpfen. 180 Zimmer frei oder 180 Zimmer pleite, das ist hier die Frage.

Foto: Tmv23 / Wikimedia Commons / CC BY 4.0

Quelle: Nordkurier

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