Man nehme: ein halb gesunkenes Motorboot namens „Große Freiheit“, lieblos vertäut am Schweriner Stadthafen, mit zerknüllter Deutschlandfahne im Fußraum. Dann brauche man: zwei Fachdienste, drei Bußgelder, eine Beseitigungsanordnung, ein Zwangsgeld – und vor allem: einen Eigentümer, den es nicht (mehr) gibt. Voilà – die neue Schweriner Seenschlacht.
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Was wie ein Witz aus der Satireabteilung klingt, ist die offizielle Bilanz der Stadtsprecherin Michaela Christen. Auf Anfrage des Nordkurier erklärt sie, die Verfolgung des Gammelbootes gleiche einem „Katz-und-Maus-Spiel“. Der Fachdienst Ordnung habe zwei Bußgelder kassiert, der Fachdienst Umwelt dann ein paralleles Beseitigungsverfahren eingeleitet. Anhörung, Zwangsgeldandrohung, Beseitigungsanordnung – alles rechtskräftig. Soweit so bürokratisch. Dann der Plot Twist: Der adressierte Eigentümer hatte das Boot schon vor über einem Jahr verkauft.
Phantom-Eigentümer auf Wanderschaft
Wegen der neuen Sachlage musste das gesamte Verfahren neu gestartet werden. Die Bußgeldstelle habe zwischenzeitlich festgestellt, dass der neue Eigner unbekannt verzogen sei, so die Sprecherin. Als wäre das nicht genug, wurde das Boot zwischenzeitlich von der Steganlage am Ziegelinnensee entfernt und an eine Uferanlage Am Beutel verlegt – die nicht mal im Geltungsbereich der Nutzungsordnung liegt. Praktisch: Schwerin verfolgt jetzt ein Boot, dessen Besitzer niemand kennt, an einem Ort, an dem die Verordnung gar nicht gilt. (bürokratie)
„Wir bereiten jetzt eine neue Beseitigungsanordnung mit Androhung der Ersatzvornahme vor. Nach Ablauf der Frist können wir das Boot dann wegräumen.“
— Michaela Christen, Stadtsprecherin Schwerin
Kommunaler Ordnungsdienst im Schichtbetrieb
Die Stadt verspricht, den „Kontrolldruck hoch“ zu halten. Heißt: Der Kommunale Ordnungsdienst fährt regelmäßig raus, kontrolliert, kommt 24 Stunden später wieder. Die geltende Nutzungsordnung für Stege und Anlegestellen ist derzeit in der Gremienberatung. Eine Entscheidung wird nach der Sommerpause erwartet. Besser spät als nie – möchte man sagen, wenn da nicht die offensichtliche Frage wäre: Warum braucht Schwerin für ein halb verrottetes Motorboot mit einer zerknüllten Fahne im Achterschiff drei Verwaltungsebenen, zwei Behörden und offenbar ein halbes Jahr Vorlauf?
Ein Lichtblick aus dem Rathaus: An der Hafenkante Ziegelinnensee konnten einige Fälle dauerhaft geklärt werden. Aufwand: laut Verwaltung „sehr hoch“. Man darf das wohl als Schweriner Eingeständnis werten, dass das Gammelboot-Problem kein Einzelfall ist, sondern ein System. Schwerin hat sieben Seen, unzählige Steganlagen – und ganz offensichtlich zu wenige Kräne, die man einfach mal anrollen lässt.
Foto: S!ddhraj / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Quelle: Nordkurier
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