Schwerin — Die Dieselpreise jagen den Schweriner Nahverkehr (NVS) in die roten Zahlen. Geschäftsführer Thomas Schlüter spricht gegenüber dem Nordkurier von bis zu 600.000 Euro zusätzlichen Kosten pro Jahr — „und das bei unverändertem Angebot für unsere Fahrgäste“. Wer in Schwerin Bus fährt, zahlt also bald denselben Preis für weniger Bequemlichkeit. Verkehrswende geht anders.
600.000 Euro für Diesel, den niemand fahren wollte
Die Rechnung ist so simpel wie bitter: Wenn Diesel teurer wird, kostet ein gefahrener Bus-Kilometer mehr Geld. Die NVS fährt weiter — die Dieselrechnung explodiert. Schlüter sieht deshalb Bund und Länder in der Pflicht: Die energiepreisbedingten Mehrkosten müssten „kurzfristig aufgefangen“, Förderprogramme für alternative Antriebe „beschleunigt“ werden. Auf gut Schwerinerisch: Bitte zahlen — die Verkehrswende machen wir später, vielleicht.
„600.000 Euro zusätzlich — und das bei unverändertem Angebot. So sieht Landeshauptstadt aus, wenn die Hauptstadt der Busse sich selbst überlassen bleibt.“
Stadtwerke balancieren, SDS schweigt, Abfallgebühren warten
Die Schweriner Stadtwerke geben sich tapfer: Dank „vorausschauender Einkaufsstrategie“ gelinge es aktuell, die gestiegenen Beschaffungskosten für Strom und Gas „auszubalancieren“. Was nach Marketing klingt, heißt auf Deutsch: Wir warten ab, bis es wirklich wehtut — und schreiben unseren Kunden dann einen Brief. Eine konkrete Preisprognose für 2027? „Leider noch keine abschließende Aussage“ möglich, heißt es gegenüber dem Nordkurier.
Auch die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS) schließen Tarifanpassungen nicht aus. Sollten die Dieselpreise hoch bleiben, könnte die SAS — die Schweriner Abfallentsorgungs- und Straßenreinigungsgesellschaft — nachziehen. Die Abfallgebühren sind zwar aktuell bis 2028 kalkuliert, aber wer dem Schweriner Verwaltungs-Optimismus vertraut, hat die vergangenen Haushaltsdebatten offenbar verschlafen.
Landeshauptstadt zwischen Wärmewende und Realitätsverweigerung
Schwerin als Landeshauptstadt sollte Vorbild sein — beim ÖPNV, bei den Stadtwerken, beim Klimaschutz. Stattdessen zählt der NVS-Chef seine 600.000 Euro, die Stadtwerke sortieren Bilanzen und die SDS warten auf den Tag X. Was bleibt, ist eine Stadt, die den Wandel fordert und das Bezahlen anderen überlässt. Der Nordkurier hat nachgefragt.
Foto: Faruk Tokluoğlu / Pexels
Quelle: Nordkurier
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