Kurioses

Schwerin verkauft das Dach der Radsporthalle auf Kleinanzeigen — aus Nachhaltigkeitsgründen, versteht sich

Willkommen in unserer geliebten Landeshauptstadt, in der eine neue Radsporthalle jetzt schon wieder legendär wird — nur diesmal nicht wegen des Sports, sondern weil die Stadt das eigene Dach der Halle bei Kleinanzeigen verkauft.

250 Tonnen Stahlrohre, geprüfte Statik, Werk- und Montageplanung inklusive. Kostenpunkt: Verhandlungssache, aber das Material allein lag laut der Firma Fläminger Stahl- und Energieelemente Bau bei rund einer Million Euro. Der Grund für den Ausverkauf? „Nachhaltigkeit“, sagt die Prokuristin. Man wolle das Material nicht „einfach verschrotten“. Aha.

Wer soll die Stadt noch retten — wenn sie es nicht selbst tut?

Hinter der Geheimratsecken-Annonce steckt ein handfester Krach zwischen Schwerin und dem Wittenberger Stahlbauunternehmen. Die Stadt hatte den Auftrag für das Hallendach vergeben — und ihn dann fristlos gekündigt, weil die Firma nach eigener Aussage angeblich nicht rechtzeitig liefern konnte. Oder die Stadt ihre eigene Planung doch nicht weiter nutzen wollte. Darüber streiten sich die beiden Beteiligten jetzt vor Gericht. (schwerin)

Die Prokuristin Verena Pagels sagt dazu: „Uns wurde mitgeteilt, dass unsere Planung und die Teile nicht verwendet werden. Die Stadt verursacht hier Kosten in Millionenhöhe und hält sich selbst nicht an das, was sie sagt.“ Klingt nach einem Vorwurf, den man in Schwerin selten so direkt hört — meistens klingt das in Pressemitteilungen anders.

„Hier bei uns auf dem Hof liegt jetzt mindestens eine Million. Und wir müssen auch Zulieferer bezahlen. Eine Klage haben wir bereits vor einigen Wochen eingereicht.“

Verena Pagels, Prokuristin Fläminger Stahl- und Energieelemente Bau

3,5 Millionen Euro Eigenanteil — für ein Dach, das jetzt bei Kleinanzeigen steht

Was nach einer Bauanekdote klingt, ist in Wahrheit das Eingeständnis einer Stadt, die seit Jahren den Anschluss verpasst — und die es jetzt mit Pauken und Trompeten schafft, ihn auch noch zu unterbieten. Der Eigenanteil der Stadt Schwerin für die ausgeschriebene Sanierung des Daches liegt bei rund 3,5 Millionen Euro. Das restliche Geld kommt vom Land. Also: vom Steuerzahler, der sich halt mal wieder wundert.

Der stellvertretende Oberbürgermeister Bernd Nottebaum verteidigt das Ganze — wie erwartet — juristisch: „Aus rechtlichen Gründen kommt weder die von der Firma angebotene einvernehmliche Vertragsauflösung noch eine Hinnahme der angekündigten Bauzeitverzögerungen und Kostennachträge in Frage.“ Was bleibt, ist: ein Haufen Stahl, eine offene Klage und eine Halle ohne Dach.

Fertigstellung 2027 — wenn überhaupt

Die neue Ausschreibung läuft bis zum 24. Juli. Der Stahlbau soll laut Plan am 31. August 2027 abgeschlossen sein. Wer den Zuschlag bekommt, muss auch einen groben Terminplan abgeben — sonst fliegt er raus. Wer den Terminplan einhält, ist eine andere Frage. Aber das ist in Schwerin eine rhetorische Frage.

Wer bis dahin ein Schnäppchen sucht: 250 Tonnen Stahl, geprüft, sofort verfügbar. Die Annonce läuft noch — und auf der Suche nach Interessenten ist Schwerin bekanntlich nicht zimperlich. Wer in unserer Landeshauptstadt noch eine Halle ohne Dach kennt, melde sich bitte bei der Stadtverwaltung. Die freuen sich. Also irgendwie.

Foto: Laura Cleffmann / Pexels

Quelle: Schwerin-Lokal

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