Schwerin. Die Landeshauptstadt, die sich selbst so gern als gemütlich-preußisch-sparsam verkauft, muss jetzt Farbe bekennen: Der Nahverkehr Schwerin (NVS) verbrennt pro Jahr rund 600.000 Euro mehr Diesel als noch vor wenigen Jahren. Sechshunderttausend. Das ist kein Rundungsfehler im Haushalt, das ist eine stattliche Stadtrundfahrt im Geldtransporter.
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Woran liegt’s? Na, an den Energie- und Kraftstoffpreisen, die offenbar auch in Schwerin angekommen sind. Was wie eine Erkenntnis aus dem ersten Semester Betriebswirtschaft klingt, ist die zentrale Botschaft einer SVZ-Recherche, die nun bei den Verantwortlichen in der Stadtwirtschaft für schlechte Laune sorgt.
Drei kommunale Unternehmen auf einen Streich
Betroffen sind nicht nur die Busse. Auch die Stadtwerke Schwerin sehen sich steigenden Beschaffungskosten für Strom und Gas gegenüber – bislang habe eine „langfristige Einkaufsstrategie“ die Auswirkungen „abgemildert“, wie es so schön heißt, wenn offiziell noch keiner was zugeben will.
Die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen – zuständig für Abfall, Stadtreinigung und alles, was in Schwerin weggeräumt werden muss – schließen ebenso künftige Preisanpassungen nicht aus. Sollten die Dieselpreise dauerhaft hoch bleiben, könnten am Ende sogar die Abfallgebühren steigen. Müll wird in Schwerin also bald ein Luxusgut. Wer seinen Sperrmüll selbst zur Deponie karrt, spart künftig bares Geld.
Ich dachte immer, in Schwerin wird mit dem See geheizt, nicht mit Geld verbrannt. Aber vielleicht ist das ja der gleiche Effekt.
Die Landeshauptstadt bittet zur Kasse
Die NVS-Spitze gibt sich staatstragend und fordert, dass „Bund und Länder die Mehrkosten auffangen und Investitionen in klimafreundliche Antriebe weiter unterstützen“. Übersetzt: Lieber Staat, zahl du, wir fahren weiter Diesel, aber bitte mit finanzieller Klimaanlage.
Die Schweriner Stadtkasse dürfte das anders sehen. Wenn schon das Busunternehmen nach dem Staat ruft, wie lange dauert es, bis auch die Stadtreinigung, die Schwimmhalle und das Stadttheater in die gleiche Trompete stoßen? Eine ganze Stadt, die kollektiv nach oben bittet – das ist in Schwerin zwar Routine, diesmal aber mit konkretem Preisschild.
Wenn die Landeshauptstadt schon kein ICE-Gleis hat, sollte sie wenigstens wissen, was ihr Diesel kostet. Aber beides läuft wohl auf dasselbe raus: warten.
Was bleibt den Schwerinern?
Im Moment: Warten auf die nächste Gebührenerhöhung. Die Stadtwerke „schließen künftige Preisanpassungen nicht grundsätzlich aus“ – Behördendeutsch für: Ja, es wird teurer, aber wir sagen euch noch nicht, wann.
Die Netzentgelte, die staatlichen Preisbestandteile, die Weltlage – alles entscheidend, wie die Stadtwerke betonen. Nur eines entscheidet offenbar niemand: ob Schwerin irgendwann aus diesem Kreislauf aus steigenden Kosten, halbherzigen Einkaufsstrategien und Bittstellungen an den Bund herauskommt.
Bis dahin gilt in der Landeshauptstadt: Wer Bus fährt, zahlt mit. Wer heizt, zahlt mit. Wer seinen Müll wegschmeißt, zahlt mit. Nur wer das Geld hat – der sitzt in Schwerin bekanntlich im Schloss.
Foto: Jp Valery / Unsplash
Quelle: schwerin.news
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