Schwerin ist seenreich, maritim verwöhnt und jetzt auch offiziell ein bisschen Fundbüro. Wie der Nordkurier berichtet, sucht die Wasserschutzpolizei derzeit die Eigentümer von zwei herrenlosen Booten, die irgendwo im Stadtgebiet sichergestellt wurden. Wer also seit dem Frühling ein Ruderboot, ein Schlauchboot oder eine alte Jolle vermisst, darf sich jetzt melden – falls er oder sie sich überhaupt noch erinnert, wo das Ding zuletzt lag.
Wenn die Stadt das Wasser nicht im Griff hat
Die Meldung klingt harmlos, ist aber symptomatisch. Schwerin hat mehr Seen als Ampeln, die gleichzeitig grün sind – und offenbar auch mehr Boote, als die Verwaltung im Kopf behalten kann. Zwei Wasserfahrzeuge, die einfach irgendwo herumliegen, sind ein bisschen wie die Stadt selbst: da, aber keiner fühlt sich so richtig verantwortlich. Die Wasserschutzpolizei springt ein, weil das Ordnungsamt, das Tiefbauamt und vermutlich auch das ein oder andere Privatgrundstück lieber wegschauen.
In Schwerin verlieren Boote den Anschluss – und niemand merkt es, bis die Polizei vorbeischippert.
Seen ohne Eigentümer
Man darf die zwei Boote ruhig als Miniatur der großen Schweriner Lage lesen. Viele Dinge liegen hier herum, ohne dass jemand offiziell fragt, wem sie eigentlich gehören. Brachen, Garage, Liegeplätze am Burgsee – alles sieht ordentlich aus, bis man genauer hinschaut. Die Eigentümersuche beim Boot ist nur die kleinste Form von: Wir haben hier was gefunden, weiß aber niemand, wohin damit. Sogar für die Landeshauptstadt MV scheint das eine passende Rolle zu sein: das gute Gewissen der Seenplatte, schlecht bestückt mit Bürokratie.
Wer sein Boot wiederhaben will, soll sich also bei der Polizei in Schwerin melden – Unterlagen, Fotos oder andere Hinweise zur Identifikation reichen. Falls der Eigentümer gar nicht existiert: Pech. Dann bleibt das Boot eben, wo es ist. Die Stadt Schwerin hat so oder so keinen Plan, was sie damit anfangen soll, und neue Boote braucht sie definitiv nicht. Sie hat schon genug, von denen niemand weiß, wem sie gehören.
Wer in Schwerin ein Boot besitzt, ohne es zu benutzen, sollte sich also regelmäßig fragen: Ist das noch meins – oder schon stadteigen? Zwei aktuelle Fundboote zeigen, wie schnell das Kippen kann. In Schwerin wird man Besitzer, ohne es zu merken. Man wird es aber auch wieder los, ohne es zu merken – wenn die Wasserschutzpolizei vorbeikommt.
Foto: Rennett Stowe / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Quelle: Nordkurier
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