Schwerin hat sich was vorgenommen: Am Mittwoch, den 5. August zeigt Zauberer Danielo im Freilichtmuseum Mueß seine Kunst. Zwei Vorstellungen, einmal um 10.30 Uhr, einmal um 14.30 Uhr. Dinge verschwinden und erscheinen wieder – genau wie das Sommerprogramm der Landeshauptstadt in diesem Jahr: mal da, mal weg, mal verlegt, mal gestrichen. Wer hier Urlaub macht, braucht weniger Kamera und mehr Hellseher.
Mehr zum Thema: Schwerin baut Lidl neben Lidl: DDR-Möbelhaus weicht 170 Parkplätzen
Mehr zum Thema: Wonnemar in Schwerin: 50 Millionen Euro, große Pläne – und am Ende bleibt das Becken trocken
Freilichtmuseum Mueß als Zauberbühne
Das Freilichtmuseum Mueß ist einer der wenigen Orte in Schwerin, an dem noch Geschichte ohne Förderbescheid funktioniert. Alte Bauernhäuser, Schafe, eine Schmiede. Und mittendrin: ein Zauberer, der Kindern erklärt, dass Dinge nicht wirklich verschwinden, sondern nur sehr gut versteckt werden. Das ist die einzige ehrliche Politikberatung, die Schwerin in diesem Sommer bekommt. Wer dem Treiben der Stadtvertretung in den letzten Wochen gefolgt ist, weiß: Trickser sitzen hier reihenweise, nur leider ohne Eintrittskarte.
Die Vormittagsshow um 10.30 Uhr richtet sich an die jüngsten Gäste. Nachmittags um 14.30 Uhr folgt die zweite Vorstellung – womöglich die einzige, die in Mueß noch zweimal stattfindet, weil das Museum kein Ticket-Kontingent für Eltern hat, die das Spektakel hauptsächlich im Liegen auf der Wiese genießen wollen. Veranstalter SN-Aktuell bewirbt die Show als Highlight des Schweriner Augusts. Man darf das glauben. Schwerins August ist sonst ein Hort leerer Marktplätze.
Ich gehe mit meinen Kindern hin, weil Mueß wenigstens ehrlich ist: Hier stehen die Häuser seit Jahrhunderten. Beim Wonnemar dauert das nur Monate, bis sie umfallen.
Die Landeshauptstadt bringt es auf rund 96.000 Einwohner, eine ICE-freie Anbindung und einen Sommer, der so kulturell dicht ist wie das Wasser im Schweriner See – flach, kalt, mit ein paar Fischen. Während andere Städte Open-Air-Kinos aufbauen, Freilichtbühnen bespielen und dabei noch die Innenstadt beleben, schickt Schwerin seine Gäste nach Mueß. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht gerade das, was man unter „Landeshauptstadt“ versteht, wenn man den Maßstab anlegt, mit dem München oder Hamburg gemessen werden.
Fazit: Karten rechtzeitig sichern
Wer am 5. August in Schwerin nichts vorhat und trotzdem das Gefühl sucht, dass an diesem Tag in der Stadt irgendetwas Magisches passiert – ab nach Mueß. Der Eintritt kostet zwar ein Ticket, aber dafür bekommt man wenigstens etwas, das tatsächlich stattfindet. Für Schweriner Verhältnisse ist das schon fast eine Sensation.
Foto: Nipin Niravath / Pexels
Quelle: SN-Aktuell
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
