Gesellschaft

Schwerin sperrt für drei Tage den Markt – weil Bier offenbar Vorrang vor Berufsverkehr hat

Der Schweriner Marktplatz wird gesperrt – wegen eines Bierfestes. Von Donnerstag, 30. Juli, bis Samstag, 1. August, ist die Innenstadt für den Autoverkehr tabu. Wer etwa auf dem Weg zur Arbeit, zum Arzt oder zur Beerdigung eines Bekannten durch will: Pech gehabt, der Hopfensaft hat Vorfahrt.

Laut Stadt werden die betroffenen Bereiche „für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt“. Fußgänger, Radfahrer und Menschen mit Plan dürfen passieren. Der Rest steht halt. So wie jedes Jahr, wenn irgendwo in MV ein Fest steigt und eine Großstadt plötzlich zur Einbahnstraße wird.

Die Stadt der kurzen Wege – außer wenn gefeiert wird

Schwerin ist eine Stadt, in der man sich normalerweise innerhalb von 15 Minuten durchquert. Vom Bahnhof zum Schloss, vom Marienplatz zum Pfaffenteich – alles in Fußweite. Wer trotzdem Auto fährt, hat entweder schlechte Beine oder ein schlechtes Gewissen wegen Amazon. Aber wehe, es findet ein Fest statt: Dann bricht die innerstädtische Versorgung zusammen, als hätte der Feind die Brücke gesprengt.

Die offizielle Begründung der Verwaltung: Man wolle „die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher gewährleisten“. Was eine Übersetzung ist für: Wir haben keine Lust auf Schadensersatz, wenn betrunkene Eltern ihre Kinder über die Fahrbahn schieben. Verständlich – aber wie wäre es mit einer rechtzeitigen Ausschilderung der Umleitung, bevor der erste Schweriner am Donnerstagmorgen mit seinem Lieferwagen im Stau steht?

„Sperrungen in Schwerin wegen des Bierfestes“ klingt so, als hätte die Verwaltung einen neuen Dauermodus entdeckt: Wer Schwerin erreichen will, muss erstmal woanders hin.

Bierfest als logistische Großübung

Drei Tage Markt-Sperrung, weil Großplastikmaßkrüge aufgestellt werden. In München steht das halbe Oktoberfest jeden Tag, da rollt der Verkehr. In Schwerin reicht ein Bierwagen, und die Innenstadt kollabiert. Das ist kein Fest – das ist eine Generalprobe dafür, was passiert, wenn wir mal wirklich was zu feiern hätten.

Anwohnerinnen und Anwohner wurden – wie üblich – kurzfristig informiert. Wer am Donnerstag einen Handwerker braucht, einen Pflegedienst, eine Hebamme oder einfach nur die Tochter mit dem dringend benötigten Döner: Soll halt zu Fuß kommen. Sagen wir mal: durch Mecklenburg-Vorpommern, durch das Regendrama, vorbei an den Straßenbahnschienen, die ja oft genug selbst eine Sperrung sind.

Bierfest-Fans dürfen sich auf das übliche Programm freuen: zähe Massen, matschiger Rasen und der Versuch, eine Maß unter fünf Euro zu ergattern. Den Rest der Stadt trifft der Dauerstau.

Wer in Schwerin wohnt, weiß: Zwischen Stadtfest, Schweriner Schlossgarten und Bierfest ist das eigene Auto statistisch gesehen drei Wochen pro Jahr nutzlos.

Fazit: Hoch die Hände, Wochenende

Wir sagen es ja nur ungern: Wenn die Verwaltung der Stadt für drei Tage Priorität auf Volksfestbelustigung statt auf Verkehrsfluss legt, ist das politische Entscheidung. Wer das sperrt, hat das zu verantworten. Wir empfehlen für den 30. Juli bis 1. August: Rad, ÖPNV oder einfach drei Tage zu Hause bleiben. Mit dem Wetter wird’s ja vielleicht.

Foto: Brett Sayles / Pexels

Quelle: Ostsee-Zeitung

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