Schwerin hat seit einem Jahr Weltkulturerbe. Höchste Zeit also, dass die Stadt das auch auf den Teller bekommt. Beim 14. Gourmetgarten im Schlossgarten wird vom 17. bis 19. Juli der erste Mecklenburger Welterbeteller serviert. Zander, Wild, Rehrücken, Wildbratwurst und Ochsenbacke sollen zeigen, was Mecklenburg kulinarisch zu bieten hat. Endlich ein Kulturangebot, bei dem niemand fragen muss, wann der nächste Arbeitskreis tagt.
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Die Idee stammt von Norbert Bosse, der den Gourmetgarten organisiert und offenbar beschlossen hat, dass Welterbe nicht länger nur besichtigt, sondern auch gegessen werden muss. Daniel Bockholt von der Schweriner Gourmetfabrik hat dafür regionale Zutaten zusammengestellt: Fisch aus den Seen, Wild aus der Gegend, Weiderind und Kartoffelstampf. Mecklenburg bekommt damit eine neue Präsentationsform. Nicht als Landschaft, nicht als Schloss – sondern als Teller, der am Ende hoffentlich nicht unter Denkmalschutz gestellt wird.
„Welterbe kann man auch schmecken“ – in Schwerin offenbar am besten mit Zander, Wild und einem Klecks Sauerrahm.
UNESCO trifft Kartoffelstampf
Der Teller soll laut Bericht „zeigen, was Mecklenburg ist“. Das ist mutig. Mecklenburg ist schließlich vieles gleichzeitig: historische Backsteine, Seen, Wild, Zander, Förderanträge und Menschen, die beim Wort „Gourmet“ zunächst prüfen, ob es dafür einen Parkplatz gibt. Auf dem Probenteller lagen gebeizter Zander, Rehrücken, Wildbratwurst, Ochsenbacke, Kartoffelstampf, Buttergemüse und Senfsoße. Das ist keine vorsichtige Annäherung an die Heimat. Das ist Heimat mit Beilage.
Besonders konsequent ist der Kartoffelstampf. Er soll ausdrücklich ein wenig stückig bleiben, damit das Mundgefühl stimmt. Damit ist endlich auch die Schweriner Stadtplanung kulinarisch erklärt: außen fein präsentiert, innen bleibt etwas liegen. Der Unterschied ist nur, dass der Welterbeteller zum Eröffnungsabend fertig ist und nicht erst nach drei Ausschusssitzungen, zwei Gutachten und einer Bürgerbeteiligung.
Schwerin entdeckt die essbare Identität
Die Gourmetfabrik ist in den neuen Michelin-Führer aufgenommen worden. Das ist ein echter Erfolg und beweist: Schwerin kann Qualität. Es muss sie nur auf einen Teller legen, damit sie nicht versehentlich wieder in einer Konzeptphase verschwindet. Während andere Städte ihre Identität in Kampagnen, Leitbildern und Imagebroschüren suchen, serviert Schwerin einfach Zander mit Wild. Endlich eine Strategie, die man aufessen kann.
Ob der Welterbeteller dauerhaft auf Speisekarten landet, entscheidet am Ende das Publikum. Wenn die Leute kommen, essen und wiederkommen, wäre das eine erstaunlich unkomplizierte Erfolgsgeschichte. Kein Neubau, keine jahrelange Planung, keine Baustellenampel. Nur ein Teller. Im besten Fall wird daraus ein Dauerbrenner. Im schlechtesten Fall bleibt es ein sehr gut angerichteter Beweis, dass Schwerin sogar das Welterbe erst einmal probekochen muss.
Foto: Benreis / Wikimedia Commons / CC BY 3.0 / Symbolbild: Zandergericht
Quelle: Nordkurier
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