Schwerin – wer in der Landeshauptstadt mit dem Gedanken spielt, Panzer, Drohnen oder Munition herstellen zu wollen, hat ein Problem: Die nötige Industrie fehlt komplett. Laut einer neuen Auswertung der Industrie- und Handelskammern zum sogenannten Dual-Use-Potenzial deutscher Regionen landet Schwerin und der umliegende Wirtschaftsraum Westmecklenburg bundesweit auf einem der hintersten Plätze. „Dual-Use“ bedeutet: Produkte, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können – also jene Industrien, auf die die Bundesregierung bei der Aufrüstung der Bundeswehr setzt. Schwerin hat davon so gut wie nichts.
Was auf den ersten Blick wie die Diagnose einer strukturschwachen Region klingt – zu wenig Industrie, zu wenig Rüstung, zu wenig Verteidigungswirtschaft –, klingt auf den zweiten Blick nach der schonungslosen Bilanz einer Landeshauptstadt, die selbst dann versagt, wenn es darum geht, wenigstens symbolisch kriegstauglich zu wirken. Andere Regionen haben wenigstens BMW, Rheinmetall oder Hubschrauber. Schwerin hat das Schloss. Und das ist nun wirklich nicht für den Feldeinsatz geeignet.
„Vielleicht ist genau das gut“
Im Kommentar bei schwerin.news wird genau diese Lesart bemüht: „Man könnte es zugespitzt so sagen: Schwerin ist nicht besonders kriegstauglich. Und vielleicht ist genau das gar keine schlechte Nachricht.“ Schön wär’s. In Wahrheit ist die mangelnde Rüstungs-Industrie kein bewusstes Bekenntnis zum Frieden, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Deindustrialisierung, Abwanderung und einer Wirtschaftspolitik, die außer Verwaltung und Tourismus nichts Großes mehr zustande bringt. Wenn Schwerin „nicht kriegstauglich“ ist, dann nicht aus Prinzip, sondern weil die Stadt schon für zivile Aufgaben kaum Personal findet.
„Wir wollen keinen Krieg – aber wir können auch keinen mehr führen. So gesehen ist Schwerin konsequent.“
Landeshauptstadt ohne Rüstungsnotwendigkeit
Die IHK-Auswertung, die laut schwerin.news die bundesweite Verteilung der Dual-Use-Fähigkeiten untersucht, zeigt: Wo viel produziert wird – Metall, Maschinen, Chemie, Elektronik –, da kann im Ernstfall schnell auf Kriegsproduktion umgestellt werden. Schwerin hat von all dem wenig. Die Industrie ist nach der Wende abgewickelt worden, der verbliebene Mittelstand kämpft mit Fachkräftemangel, die wenigen größeren Arbeitgeber im Raum sind Verwaltung, Kliniken und Logistik. Eine Werft? Fehlanzeige. Ein Stahlwerk? Gibt es hier nicht.
Während anderswo Bürgermeister stolz verkünden, dass „ihre“ Region jetzt auch Panzer schraubt, bleibt Schwerin auf den Pfad der reinen Zivilität beschränkt: Seen, Schlösser, ein bisschen Verwaltung, ein paar Pensionäre, die sich über zu hohe Hundesteuer aufregen. Die Landeshauptstadt ist gewissermaßen die Schweiz Mecklenburg-Vorpommerns – nur ohne Berge, ohne Banken und ohne funktionierende S-Bahn.
Nicht mal symbolisch
Was bleibt, ist eine zynische Pointe: Selbst in der Frage, ob eine Region „kriegstauglich“ ist, sortiert sich Schwerin ganz unten ein. Das ist nicht die noble pazifistische Haltung eines Lübecker Bürgers, der aus Überzeugung die Waffen niederlegt. Das ist das schlichte Vakuum einer Stadt, die schon im Frieden kaum noch etwas produziert. Wer hier Panzer bauen wollte, müsste sie erst einmal aus den 300 Kilometer entfernten Hamburger Werften heranschaffen – und das, wo schon der ICE nach Berlin nicht durchkommt.
Am Ende bleibt nur die bittere Erkenntnis: Schwerin ist nicht deshalb nicht kriegstauglich, weil die Stadt den Frieden erfunden hat. Schwerin ist nicht kriegstauglich, weil Schwerin nicht mal für den Alltag richtig aufgestellt ist. Die Landeshauptstadt führt das Ranking in einer Kategorie an, in der niemand führen will – und das, ohne es überhaupt zu versuchen.
Immerhin: Sollte in der Landeshauptstadt je ein feindlicher Angriff drohen, brauchen die Schweriner keine Bunkeranlagen zu planen. Einfach das nächste Wirtschaftsgipfel mit dem Hinweis ankündigen, dass man leider keine Industrie mehr habe. Die Kapitulationsverhandlungen dauern dann etwa so lange wie eine normale Bauausschusssitzung. (schwerin)
Foto: Abusaiya CLUVENS / Pexels
Quelle: schwerin.news
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