Es hat ein bisschen gedauert. Aber jetzt wird endlich gebaut. In der Cottbuser Straße in Neu Zippendorf entstehen 38 öffentlich geförderte Wohnungen in einem Fünfgeschosser — Investor aus Nordrhein-Westfalen, 17 Millionen Euro, erster Spatenstich am 25. August. Ermöglicht hat das der „Bau-Turbo“ der Bundesregierung, ein Gesetz, mit dem Kommunen seit Oktober vergangenen Jahres schneller von Bebauungsplan-Vorgaben abweichen dürfen. Schwerin sagt: Danke, Bund. Es wäre schön, wenn das öfter vorkäme.
Denn ehrlich gesagt: So richtig schnell war in Schwerin jahrelang nichts. Auf der Fläche sollte ursprünglich der „Wohnpark am Buchenhain“ entstehen, mit Stadtvillen, mit allem. Daraus wurde nichts. Dann passierte lange nichts. Jetzt kommt ein anderer Investor, baut fünfstöckig statt Stadtvillen, richtet sich an Bezieher kleiner Einkommen mit Wohnberechtigungsschein. Im Schnitt 80 Quadratmeter, vier bis fünf Zimmer. Klingt gut, klingt vernünftig, klingt nach dem, was Neu Zippendorf seit Jahren fehlt.
Bau-Turbo klingt nach Tempomat, ist aber die Ausnahme
Das eigentlich Bemerkenswerte steht im Kleingedruckten. So richtig schnell geht es nur, weil Marc Bauernfeind von der Michael Türk Unternehmensgruppe aus Ratingen und der Leiter des Schweriner Fachdienstes für Stadtentwicklung, Andreas Thiele, sich offenbar darauf verständigt haben, dass kleine Abweichungen vom B-Plan ok sind. Das nennt sich Bau-Turbo und bedeutet im Klartext: Wenn alle mitmachen, geht plötzlich, was vorher nicht ging. Vorhandene Straße, vorhandene Beleuchtung, vorhandene Kanalisation — Vorarbeit des ersten Investors, der selbst abgesprungen ist. Ohne diese Vorarbeit hätte der neue Investor das Grundstück gar nicht gefunden.
Die Stadtverwaltung hatte das Glück, dass der erste Investor die teuren Vorleistungen erbracht hat, bevor er das Handtuch warf. Sonst würde auch der Bau-Turbo jetzt nichts nützen. Das ist die eigentliche Pointe der Geschichte: Schwerin hat den Bau-Turbo nicht erfunden, sondern davon profitiert, dass irgendwann irgendwer auf eigenes Risiko die Bagger bestellt hat. Bauvoranfrage für eine weitere Fläche ist auch schon gestellt. Weitere Stadtvillen-Pleite ausgeschlossen, Neubau in Sicht.
In Schwerin dauert ein Hausbau ungefähr so lange wie anderswo eine Generalsanierung. Wenn der Bau-Turbo wirklich zündet, liegt es nicht am Gesetz, sondern daran, dass die Stadt seit Jahren jeden Investor mit Handschlag begrüßt, der den Bagger selbst mitbringt.
Neu Zippendorf bekommt ein Upgrade — der Rest bleibt Geduldsspiel
38 Wohnungen, fünfstöckig, Gründach, gefördert. Für Neu Zippendorf ist das eine kleine Sensation. Wenn der Bau-Turbo jetzt Schule macht, müssten andere Schweriner Schlagloch-Bauprojekte eigentlich nachziehen. Die Flächen gibt es. Die Planer in der Stadt gibt es. Was fehlt, ist die Zuversicht, dass es am Ende wirklich klappt. Die Cottbuser Straße ist ein Anfang. Nicht mehr, nicht weniger.
Wer in Schwerin in den nächsten Jahren eine Wohnung sucht, sollte sich trotzdem nichts vormachen. Der Markt bleibt eng, der Bau-Turbo bleibt Ausnahme statt Regel. Aber immerhin: Am 25. August wird in der Cottbuser Straße tatsächlich ein Spaten in die Erde gestochen. In Schwerin reicht das schon für eine Meldung.
Foto: Lutz Stallknecht / Unsplash
Quelle: Nordkurier
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