Willkommen in der Landeshauptstadt, wo selbst kleine Kontrollen orchestriert werden wie ein Staatsbesuch. Am Donnerstagabend rückten in Schwerin Polizei, Zoll, Schweriner Gewerbeamt und Steuerverwaltung Mecklenburg-Vorpommerns gleichzeitig zu einem „behördenübergreifenden Kontrolleinsatz“ in der Innenstadt aus. Ziel: mehrere Spätverkaufsstellen. Wer dort seinen Feierabend-Biervorrat auffüllen will, erlebte stattdessen eine Lichtshow aus Blaulicht und Ausweisbitten.
Was wie die Eröffnung einer neuen Krimiserie klang, war im Grunde eine Razzia der Sorte, wie sie Schwerin seit Monaten nicht gesehen hatte: gebündelte Zuständigkeiten, parallele Maßnahmen, „konsequente Durchsetzung gesetzlicher Bestimmungen“. Drei Durchsuchungsbeschlüsse des Amtsgerichts Schwerin wurden im Auftrag der Staatsanwaltschaft vollstreckt, alle wegen Verstößen gegen das Konsumcannabisgesetz und das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz. Wer jetzt denkt, da habe jemand in der Schweriner Innenstadt etwa eine illegale Drogenfabrik betrieben, den bremsen wir gleich: Es ging um Spätverkaufsstellen, also die Läden, in denen man nach 22 Uhr noch Zigaretten und Tiefkühlpizza bekommt.
Vier Objekte, ein Verstoß, drei Stempel
Die stolze Bilanz des Abends: drei Gewerbebetriebe und eine Wohnung wurden kontrolliert. Heraus kam ein gewerberechtlicher Verstoß und einige Verstöße gegen das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz. Weitere Ermittlungen wurden „an die jeweils zuständigen Fachbehörden“ übergeben – also dorthin, wo sie vermutlich zwischen Aktenordnern verschwinden werden, in denen schon das Halbjahreskontrollergebnis von 2024 begraben liegt.
Man darf sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Eine Großstadt würde bei diesem Aufwand wahrscheinlich halb Rotlichtmilieu hochnehmen, eine Kleinstadt wie Schwerin schickt vier Behörden in vier Läden und schreibt am Ende eine Bilanz, die in jedes Sommerloch passt. Drei Stempel, ein müder Donnerstagabend, fertig.
„Ich steh hier mit Bockwurst und Zeitungen, und auf einmal wollen alle meinen Ausweis sehen. Sollen sie halt mal schauen, ob die Wurst auch bezahlt ist.“
Inhaber eines Schweriner Spätverkaufs, so oder so ähnlich
Ein Sprecher der Polizei sprach von einer „engen Kooperation“ und „effizienten Umsetzung“ – Behördenvokabular, wie es in keinem Schulungsbuch fehlen darf. Was in der Meldung nicht steht, aber jeder Schweriner ahnt: Wer regelmäßig in einem der Spätverkaufsstellen an der Mecklenburgstraße einkauft, hat in der Nacht vermutlich nicht nur eine, sondern mehrere Sorten von Ausweisen vorgezeigt bekommen. Der Rest des Sortiments war danach so gründlich durchgemischt, dass selbst Stammkunden ihr Lieblingsbier nicht mehr fanden.
Die Innenstadt ist jetzt offiziell sauber
Natürlich ist es beruhigend zu wissen, dass sich Behörden überhaupt kümmern. Spätverkaufsstellen sind in der Schweriner Innenstadt nicht nur Umschlagplätze für Tabak und Tiefkühlkost, sondern gelegentlich auch Treffpunkte, an denen man Dinge kaufen kann, die im Kassenbon nicht auftauchen. Insofern: lieber eine Kontrolle zu viel als eine zu wenig, möchte man meinen. Nur bleibt das mulmige Gefühl, dass das Schweriner Sicherheitsgefühl derzeit vor allem auf Lichtshow und Pressemitteilung beruht.
Wer jetzt auf mehr folgt, darf gespannt sein. Vielleicht steht im nächsten Polizeibericht: „Erneut behördenübergreifender Einsatz“ – mit der gleichen Bilanz, leicht veränderter Reihenfolge. Solange die Schweriner Spätshops anständig bleiben, dürfen sich Innenstadt-Bummler auf eine ruhige Sommersaison freuen. Und der Schweriner Sicherheitsapparat auf ein volles Aktenkonto. Aber das ist natürlich nur eine Sichtweise.
Foto: Jorge Láscar from Australia / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Quelle: SN-Aktuell
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