Schwerin. Die Landeshauptstadt, die ihren See als Postkartenmotiv pflegt, will sich jetzt an weniger romantischen Wasserquellen bedienen: Abwasser. Klar, der Schweriner See bleibt, wo er ist. Aber das, was nach dem Duschen, Kochen und Spülen durch die Kanalisation rauscht, soll künftig die Wohnung wärmen.
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Die Stadtwerke Schwerin (SWS) haben über das Deutsche Vergabeportal (DTVP) eine ganze Reihe spezialisierter Ingenieurbüros angefragt, die prüfen sollen, wie viel thermische Energie im hiesigen Abwasser steckt – Stichwort: Großwärmepumpen. Das klingt nach Zukunftsmusik, ist aber vor allem Schweriner Gegenwart.
Wärme aus dem Kanal, der Fabrik und dem See
Die Liste der angefragten Gutachten liest sich wie ein Nachhaltigkeitsprospekt mit Schweriner Akzent: Abwasserwärme, industrielle und gewerbliche Abwärme, Wärme aus Oberflächengewässern und – weil Schwerin hier konsequent übertreibt – XXL-Wärmespeicher, die als „thermische Batterien“ überschüssige Wärme horten und genau dann abgeben sollen, wenn in den Wohnzimmern die Heizung auf Hochtouren läuft.
Was im ersten Moment klingt wie der Versuch, aus jeder Pfütze Energie zu quetschen, ist tatsächlich der Kern der sogenannten „Transformationsplanung“, die im Rahmen des Bundesförderprogramms für effiziente Wärmenetze läuft. Die Stadtwerke versuchen also, Schwerin klimaneutral zu heizen – notfalls auch mit dem, was ansonsten im Klärwerk landet.
Ich finde es beruhigend zu wissen, dass mein Wohnzimmer bald von dem gewärmt wird, was vorher durch mein Bad gelaufen ist. Kreislaufwirtschaft at its best.
Von „theoretisch“ zu „wir machen das jetzt“
Das Pikante: Noch vor wenigen Wochen hieß es aus der Stadtverwaltung, solche Prüfungen seien „eher theoretischer Natur“ und eine Umsetzung werde „eher nicht weiter verfolgt“. Die jetzigen Ausschreibungen erzählen eine andere Geschichte. Wer in Schwerin „eher nicht“ sagt, meint offenbar „spätestens in zwei Ausschreibungswellen“.
Die beauftragten Büros sollen bestehende Daten sichten, technische Machbarkeiten berechnen und am Ende ein „schlüssiges Gesamtkonzept“ vorlegen. Bis dahin darf weiter spekuliert werden, ob Schwerin bald wirklich am eigenen Abwasser sitzt – thermisch gesehen wohlgemerkt.
Schwerin, die Hauptstadt der Kreislaufwirtschaft
Wenn alles nach Plan läuft, könnte die Landeshauptstadt in einigen Jahren tatsächlich Modellregion für kommunale Wärmewende sein: warmes Wasser aus dem See, Abwärme aus den Betrieben, Restwärme aus dem Kanal und ein paar Riesen-Speicher obendrauf, damit auch im tiefsten Winter niemand friert.
Anders gesagt: Schwerin zeigt, wie man Hauptstadt sein kann, ohne dass es jemandem auffällt – solange die Heizung läuft. Und wer weiß: Wenn das alles klappt, ist die nächste Ausschreibung vermutlich die Wärme aus den heißen Debatten im Schweriner Stadtrat.
Foto: Erik Mclean / Pexels
Quelle: schwerin.news
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