Kurioses

Schwerin hat zwar keine Ostsee, aber das beliebteste Binnenland-Badeziel MV: der Zippendorfer Strand ist auf Platz 1 — der Rest des Landes planscht in der zweiten Reihe

Es gibt Sätze, die in Schwerin niemand offiziell ausspricht, die aber jeder am Pfaffenteich kennt: Wir haben nun mal keine Ostsee. Wir haben den Schweriner See, wir haben die Außenalster nicht, wir haben kein Wattenmeer, keine Düne, keinen Seebrücken-Bummel. Was wir haben, ist eine Landeshauptstadt, die — so das Vorurteil — allenfalls in Sachen Schlosstourismus eine Spitzenposition verteidigt. Und jetzt das: Der Zippendorfer Strand ist das beliebteste Badeziel in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Im Binnenland. Mit 66 von 100 möglichen Punkten.

Das geht aus dem neuen Freibad- und Badesee-Ranking des Reiseveranstalters kurzurlaub.de hervor, das der Nordkurier ausgewertet hat. Bundesweit 100 Badeziele, alle 16 Bundesländer, sieben in Mecklenburg-Vorpommern — und ausgerechnet die Stadt, die rein geografisch am weitesten von der Küste entfernt ist, gewinnt das Landes-Ranking. Im Bundesvergleich erobert die Schweriner Badestelle immerhin Platz 35.

Sandstrand, Café, Rettungsschwimmer — und sonst?

Die Reiseportal-Jury hat nach Google-Bewertung, Aktivitätsangebot, Infrastruktur, Hotelnähe und Erreichbarkeit geurteilt. Sandstrand, Café und Restaurant, Imbiss, Schattenplätze und Rettungsschwimmer — klingt nach Porzellanstandard. Tatsächlich reicht das im Flächenland MV, um ganz oben zu landen. Tessin am Südsee (62 Punkte) und Broock bei Lübz (62 Punkte) folgen mit einem Rückstand von vier Zählern. Beide punkten mit 4,6 Google-Sternen — und der Tessiner Südsee zusätzlich mit Wasserrutsche, Volleyballfeld, Spielplatz und einem Filtersystem, das den Naturschutz zufriedenstellt.

Klink an der Müritz kommt auf 59,7 Punkte, der Rühner See auf 50,8, der Teterower See auf 49,7, Plau am See auf 43,2. Die Plau-Wertung ist aufschlussreich: Sandstrand, klares Wasser, Spielgeräte, Parkplatz, Ortsnähe — und trotzdem nur Platz 96 bundesweit. Die Jury straft vor allem die Infrastruktur und das Aktivitätsangebot ab. Was leise bedeutet: Schöner See allein reicht 2026 nicht mehr.

Ein fiktiver Urlauber aus Hamburg, der seit 1991 jeden Sommer an die Ostsee fährt und es nie bereut hat, formuliert es so: „Wenn ich in Schwerin am Zippendorfer Strand stehe und auf die Skyline mit Schloss und Fernsehturm schaue, frage ich mich, warum ich mir seit drei Jahrzehnten den Stau nach Boltenhagen antue.“ Die Reiseportal-Statistik gibt ihm recht — zumindest auf dem Papier.

Friedrichshafen lässt grüßen, Schwerin nickt

Das bundesweit beste Badeziel abseits von Nord- und Ostsee ist das Strandbad Friedrichshafen am nördlichen Bodenseeufer. Dahinter folgen das Tegernseer Strandbad in Bayern und Weißensee in Berlin. Schwerin liegt mit seinen 66 Punkten satte 30 Plätze hinter dem Spitzenreiter, aber immerhin vor den klassischen Ostsee-Hotspots Rügen und Usedom, die in dieser Wertung gar nicht erst auftauchen. Das Binnenland schlägt die Küste — zumindest in einer Rubrik, in der Schwerin normalerweise nicht stattfindet.

Für die Schweriner Tourist-Information ist das ein unerwarteter Werbe-Effekt. Jahrelang hat die Stadt mit ihrer Seenlage geworben, mit Schloss, mit Pfaffenteich, mit der ruhigen Hauptstadt-Atmosphäre. Jetzt sagt eine externe Rangliste: Euer Strand ist besser als der von Plau, Tessin und Lübz zusammen. Ob das an der Wasserqualität liegt, an der Süßwassertemperatur, am 35. Platz im Bundesranking oder schlicht an der besseren Bewertung auf Google — weiß die Branche selbst nicht so genau. Beliebt ist beliebt. Wer in Schwerin lebt, weiß: Hauptsache, es steht in einer Liste.

Wer am Zippendorfer Strand in den See springt, sieht Schloss, Fernsehturm und das halbe Stadtpanorama — und kann sich einreden, dass der Aufstieg von Platz 35 in der Bundeswertung nur eine Frage der Zeit ist. Der Schweriner See ist tief, das Wasser im Sommer erstaunlich warm, und die Konkurrenz aus Rostock, Wismar und Greifswald ist heute ausnahmslos auf der Ostsee-Seite unterwegs. Schwerin planscht allein vor sich hin. Und zwar auf Platz eins.

Foto: Tozina / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Quelle: Nordkurier

Nichts verpassen! 📰 Newsletter abonnieren

Erhalte die neuesten Nachrichten aus Schwerin direkt in dein Postfach – satirisch, ehrlich, geil.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Schwerin ist Geil auf WhatsApp

Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.

Jetzt Kanal abonnieren

Kostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar

Teilen:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Genau wie die meisten Neuigkeiten aus Schwerin.