Schwerin – Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns hat am 3. Juli 2026 offiziell den schrittweisen Abschied von Microsoft-Software eingeleitet. Künftig soll eine landesweite Open-Source-Plattform her, auf der langfristig mehr als 50.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes arbeiten sollen. Das Finanz- und Digitalisierungsministerium spricht von einem „Meilenstein für digitale Souveränität“. Die Mitarbeiter der Schweriner Stadtverwaltung sprechen derweil von einem „Meilenstein für Dauerfeierabend“.
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Denn während Schwerin sich offiziell von Redmond verabschiedet, hat die Landeshauptstadt noch nicht einmal den Ernst der Lage verstanden. „Wir verlassen Microsoft“, verkündete Digitalisierungsministerin Kristan Kühne (Name satirisch) bei der Pressekonferenz, während im Hintergrund drei Referendare schweißgebrochen versuchten, einen PDF-Reader zu installieren, der nicht aus dem Hause Gates stammt. Einer von ihnen weinte offen. Ein zweiter murmelte etwas von „LibreOffice hat mich noch nie geliebt“.
Souveränität auf Schweriner Art
Die Ironie könnte kaum dicker sein: Ausgerechnet jene Stadt, deren gesamtes öffentliches WLAN am Pfaffenteich zuverlässig zusammenbricht, sobald sich drei Passanten gleichzeitig einloggen, will jetzt eine eigene digitale Außenpolitik betreiben. „Digitale Souveränität klingt für mich wie ‚Wir haben unseren eigenen Drucker, der manchmal druckt‘“, sagte eine Anwohnerin aus der Friedrichstraße, die namentlich anonym bleiben möchte, weil sie im Schweriner Finanzamt noch einen Antrag auf Wohngeld in Bearbeitung hat – in Papierform, versteht sich. Der Antrag läuft seit 2024.
Unterdessen verkündet die Landesregierung stolz, man werde bis 2030 komplett auf freie Software setzen. Die Reaktion der Bevölkerung: verhalten. „Ich nutze seit 2011 eine Excel-Tabelle vom Schweriner Standesamt, die nur auf Windows XP läuft“, erklärt ein Rentner aus Zippendorf. „Wenn die jetzt auf Linux umstellen, sterbe ich. Das ist kein Spruch, das ist ein Versprechen.“
„Wir verlassen Microsoft, weil wir nicht mehr von den Launen eines US-Konzerns abhängig sein wollen. Wir sind jetzt abhängig von den Launen von sieben verschiedenen Open-Source-Maintainern aus dem Baltikum. Aber hey, wenigstens sind sie europäisch.“
Was wirklich passieren wird
Die Wahrheit ist natürlich: Nichts wird sich ändern. Schwerin wird Microsoft verlassen, indem es Microsoft-Produkte weiter nutzt, aber jetzt in einer anderen Lizenz. Outlook heißt dann „Mail MV“. Word heißt „Textbearbeitung Schwerin Edition“. Teams wird zu „Schnack 2030“ und stürzt alle neun Minuten ab, aber jetzt mit Stolz. Die Sitzungen des Landtages werden weiterhin per Bildschirmfreigabe aus dem heimischen Wohnzimmer der Abgeordneten geführt, nur eben mit einem Ton, der kratzt, weil PulseAudio noch nicht richtig konfiguriert ist.
Im Finanzministerium bereitet man sich derweil auf die neue Realität vor. „Wir schulen unsere 50.000 Mitarbeiter in den nächsten vier Jahren um – wobei offenbar auch KI einige von ihnen ersetzen soll“, heißt es offiziell. Inoffiziell, so erfuhr diese Redaktion aus dem Schweriner Verwaltungsapparat, werden ab Tag eins einfach die Bildschirmschoner ausgetauscht. Statt Microsoft-Logo gibt es dann ein Tux-Maskottchen, das traurig in die Kamera schaut. Die Office-Pakete bleiben, die E-Mails kommen weiterhin mit einer Stunde Verspätung an, und niemand merkt den Unterschied – außer vielleicht der freie Software-Verein, der irgendwann eine Petition startet. (mecklenburg-vorpommern)
Der wahre Gewinner dieser Woche ist übrigens nicht Microsoft, nicht die Landesregierung, nicht einmal der Linux-Fan aus der Innenstadt. Es ist der IT-Dienstleister aus Rostock, der ab Montag den Landesauftrag zur „Begleitung der Migration“ bekommt – und zwar für die nächsten acht Jahre. Die Kosten werden auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Bezahlt wird mit Steuergeldern, die zuvor durch die Abschaffung der papierlosen Verwaltung hätten eingespart werden können. Aber das ist eine andere Geschichte, und die hat in Schwerin Tradition.
Am Ende wird Schwerin dasitzen wie immer: mit einer digitalen Strategie, die in einer Schublade verstaubt, und einer Stadthalle, deren WLAN nur funktioniert, wenn der Wind aus Osten kommt. Microsoft wird derweil weiterhin Outlook-Updates ausrollen, die niemand versteht, und in Redmond wird sich niemand nach Schwerin zurücksehnen. So gesehen ist der Abschied einvernehmlich. Nur frustriert.
Foto: Carsten Steger / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Quelle: NDR
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