In Rostock nimmt dieser Tage das „Zentrum für Munitionsbergung“ seine Arbeit auf — ein Vorzeigeprojekt des Bundes, das die Altlasten aus Nord- und Ostsee bergen soll. Das Programm „Munition im Meer“ ist offiziell eröffnet. Was fehlt: ein Gebäude, ausreichend Geld und genug Personal. Also im Grunde alles, was man für ein Zentrum eigentlich bräuchte. Herzlich willkommen in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Pressemitteilung schneller ist als die Realität.
Nach Schätzungen liegen rund 1,6 Millionen Tonnen Munition aus zwei Weltkriegen allein in der Ostsee. Rostock soll jetzt der zentrale Knotenpunkt werden, von dem aus die Bergung koordiniert wird. Klingt ambitioniert. Ist es auch — wenn man bedenkt, dass das Zentrum laut NDR derzeit weder über eigene Räume noch über fest angestellte Spezialisten verfügt. Man koordiniert eben erstmal die Koordination. Wird schon.
Berlin beschließt, Schwerin nickt, Rostock sucht das Personal
Die Bundesregierung in Berlin hat das Projekt mit großer Geste angekündigt, der Bundestag nickte Millionenmittel durch, in Mecklenburg-Vorpommern nickt man artig zurück. Zwischen Ankündigung und Wirklichkeit klafft die übliche Lücke, die man hierzulande landläufig als „Verwaltung“ bezeichnet. Währenddessen versinken jährlich Tausende Tonnen Munition langsam in der Ostsee, und keiner hat Zeit, das aufzuhalten.
„Es fehlt an Geld, Personal und einem Gebäude.“ — NDR Nordmagazin über das neue Munitionszentrum
Ein Bergungszentrum ohne Bergung, ein Zentrum ohne Zentrum — MV bleibt auch 2026 der Bundestags-Witz, der sich selbst parodiert. Immerhin: Die Pressemitteilung war pünktlich, das Logo ist auf der Webseite, und die Eröffnungsrede wurde gehalten. Was will man mehr.
Schweriner dürfen sich übrigens entspannt zurücklehnen: Die Ostsee vor der Landeshauptstadt gilt als „überschaubar belastet“, sagen die Fachleute. Das ist das Schöne an MV: Sobald irgendwo etwas zu brennen droht, ist es gefühlt woanders. Schwerin ist halt auch bei der Meeresmunition nur Zaungast — wie so oft.
Foto: Federal Waterways Engineering and Research Institute / Wikimedia Commons / CC BY 4.0
Quelle: NDR
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