Gesellschaft

Post-Schwerin-Erbe verlässt die Landeshauptstadt: Stephan Just soll jetzt Empor Rostock in die 2. Bundesliga coachen

Willkommen in Schwerin, der Landeshauptstadt, die andere Städte mit Trainern, Ideen und gelegentlich auch mit halbwegs motivierten Handballspielern versorgt. Der HC Empor Rostock hat am Montag seinen Trainingsauftakt gefeiert und präsentiert mit Stephan Just einen neuen Coach, der mal dem eigenen Bekunden des NDR zufolge als Spieler beim Post Schwerin unter Vertrag stand. Der 47-Jährige soll den Drittligisten in spätestens zwei bis vier Jahren in die 2. Bundesliga führen.

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Man darf das übersetzen, wie man will. Entweder als Erfolgsgeschichte des mecklenburgischen Handballs. Oder als weiteres Kapitel in der Reihe: Was Schwerin aufbaut, feiert anderswo Premiere. Post Schwerin war einst ein Name, der für Bundesliga-Tugenden, für volle Hallen und für echte Nachwuchsarbeit stand. Heute ist davon vor allem die Erinnerung übrig, und die wandert jetzt als 47-jähriger Mann an die Warnow.

Talente made in Schwerin, Karriere made in Rostock

Just hat in seiner bisherigen Trainerkarriere laut NDR bewiesen, dass er Ausburger kann. Aue, Oppenweiler-Backnang – beides Aufstiege in die 2. Liga. Das klingt nach einem Lebenslauf, der im Schweriner Rathaus eigentlich mal eine Pressemitteilung wert wäre. Stattdessen teilt man sich die Pointe dieser Woche mit Rostock, das den Mann am Montag ganz offiziell vorstellt. Mit dabei auf dem Foto: die neue Doppel-Spitze der Geschäftsführung, Deniz Ercin (ab 1. August wirtschaftlich) und Tristan Staat (sportlich, inklusive Nachwuchs).

Man darf kurz innehalten. Da hat Rostock in Personalunion die sportliche und die kaufmännische Leitung neu sortiert, einen Etat von einer Million Euro in der Hinterhand (weniger als in der Vorsaison, wohlgemerkt) und einen Trainer mit Aufstiegs-Referenzen. In Schwerin sortiert man derweil die Stadtvertretung neu und freut sich, wenn die Wismarsche Straße nach drei Jahren Baustelle endlich eine Spur wieder freigibt. Aber gut, wir wollen ja nicht unfair sein.

Heimspiel in Marienehe, Highlights in der Stadthalle

Der HC Empor plant seine Heimspiele in der Fiete-Reder-Halle in Marienehe, ein bis zwei Highlights sollen in der Rostocker Stadthalle steigen. Sechs Testspiele stehen auf dem Programm: Schwaan, ein Kracher gegen Aue, Hamburg Nord, Ribnitz, Wismar gegen den HSV Hamburg und zum Abschluss Stralsund. Eine ehrgeizige Vorbereitung. Wenn das mal keine Ansage ist.

Wir haben in Schwerin auch mal Handball auf hohem Niveau gesehen. Heute sehen wir ihn halt nur noch auf dem Bildschirm, wenn er anderswo stattfindet.

Ein erfundener Rentner am Pfaffenteich, der so oder so ähnlich etwas Ähnliches gesagt haben könnte

Im Kader hat sich im Vergleich zur Vorsaison kaum etwas getan. Julian Pratschner hat den Verein verlassen, dafür rücken mehrere Spieler aus dem eigenen Nachwuchs nach. Empor will künftig noch stärker auf Jugend setzen – ein Konzept, das man aus Schwerin kennt. Nur mit dem feinen Unterschied, dass in Schwerin die Jugend irgendwann entweder nach Hamburg, Berlin, Rostock oder gleich ganz wegzieht.

Stephan Just ist also angekommen, wo Schweriner Erfahrung derzeit gebraucht wird: auswärts. Die Landeshauptstadt wünscht alles Gute, winkt artig hinterher und plant derweil den nächsten Arbeitskreis zum Thema „Wie halten wir junge Leute in der Stadt“. Die Fördermittel sinken, die Mitgliederzahlen in den Sportvereinen schwächeln, und die Schulabgänger der Gymnasien bleiben ohnehin kaum in der Stadt. Aber das ist natürlich nur eine Sichtweise.

Man darf Empor Rostock trotzdem gönnen, dass sie jetzt einen Trainer haben, der weiß, wie man Ausburgsrufe schreibt. Vielleicht klappt’s ja diesmal mit der 2. Liga. Und vielleicht freuen wir uns in Schwerin irgendwann auch wieder über einen Aufstieg. Irgendwann.

Foto: T.D.Rostock / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Quelle: NDR MV

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