Schwerin ist die Landeshauptstadt, in der man Ewigkeiten braucht, um einen Parkausweis zu verlängern – und jetzt brauchen die eigenen Eltern auch noch eine Ewigkeit, bis sie das Pflegeheim bezahlen können. Erstmals knackt der monatliche Eigenanteil für einen Heimplatz in Mecklenburg-Vorpommern die magische 3.000-Euro-Grenze. Konkret: 3.032 Euro im ersten Jahr, wie der Verband der Ersatzkassen (vdek) diese Woche verkündete. Ein Plus von zehn Prozent innerhalb nur eines Jahres – herzlichen Glückwunsch an alle, die glaubten, das Rententhema sei in MV schon durchgekaut.
3.000 Euro im Monat – und das ist erst der Anfang
Wer jetzt denkt: „Wird schon weniger in den Folgejahren“ – ja, stimmt. Jahr zwei liegt nur noch bei 2.721 Euro, Jahr drei bei 2.307 Euro, ab dem vierten Jahr dann bei 1.790 Euro. Wer seinen Eltern vier Jahre beim Gang durchs Pflegeheim finanzieren darf, lässt sich das auf roundabout 84.000 Euro Summen-Eigenanteil gerne nochmal von der Rente abziehen. Bei aktuellem Rentenniveau von durchschnittlich 1.500 Euro im Monat bleibt da rechnerisch nur ein kleiner Rest: der Sozialhilfeantrag. Die Lücke? Überbrückbar mit dem, was man im Volksmund „Hilfe zur Pflege“ nennt – was im Klartext nichts anderes heißt als: das Sozialamt übernimmt die Zeche, weil die Pflegekasse es alleine nicht mehr stemmt.
„Für die Pflegebedürftigen stellt diese Entwicklung eine wachsende Herausforderung dar“, sagt Claudia Straub, Leiterin der vdek-Landesvertretung MV. „Gute Pflege und faire Löhne für Pflegekräfte seien richtig und notwendig. Es könne aber nicht sein, dass Pflegebedürftige und ihre Angehörigen dadurch zunehmend finanziell überfordert würden.“
Land könnte helfen – macht aber nicht
Reine Mathematik-Kost für Schweriner Verhältnisse: Würde das Land MV die Investitionskosten (371 Euro pro Bewohner und Monat) und die Ausbildungskosten (148 Euro) selbst schultern, wäre der Eigenanteil um satte 519 Euro monatlich niedriger. Macht aus den 3.032 Euro flugs 2.513 Euro – immer noch absurd viel, aber wenigstens unter der Drei-Tausend-Marke. Klingt nach einer einfachen Lösung. Tut es deshalb auch das Schweriner Sozialministerium? Schweigen auf der anderen Seite. Der vdek kritisiert das geplante Pflegeneuordnungsgesetz der Bundesregierung als einseitig: Pflegebedürftige und Beitragszahlende würden weiter belastet, während sich Bund und Länder finanziell „stark zurückhielten“. Übersetzt ins Schwerin-Deutsch: alle schauen zu, keiner zahlt.
Schwerin hat eh schon genug Lasten
Hauptstadt der Pflege-Misere, der leeren Rentenkassen und der kaputten Infrastruktur: Wer in Schwerin alt wird, erlebt die Hauptstadt gleich dreifach – als Sitz der Landesregierung, die das Problem kennt, als Standort überteuerter Pflegeheime, die ihre Preise munter weiter nach oben schrauben, und als Ort, an dem die eigenen Kinder längst weggezogen sind, weil sie sich das Leben hier nicht mehr leisten konnten. Wer jetzt noch pflegt, darf nicht nur Medikamente mitbringen, sondern am besten gleich den nächsten Mietvertrag für die eigene Oma. Im Raum Schwerin trifft das die Mitte der Gesellschaft besonders hart – das durchschnittliche Familieneinkommen liegt laut Statistik des Landes ohnehin unter dem Bundesdurchschnitt.
„Meine Mutter liegt seit acht Monaten im Heim in Leezen. Ich zahle jeden Monat 2.800 Euro aus eigener Tasche. Meinen Vater pflege ich daneben noch zu Hause. Wenn das so weitergeht, muss ich demnächst Sozialhilfe für mich selbst beantragen.“ – Gabriele T. (62), pflegende Angehörige aus Schwerin (Name auf Wunsch geändert).
Fazit: Pflege wird zum Luxusgut
Was bleibt, ist die Erkenntnis: Wer in MV ein Pflegeheim braucht, braucht entweder ein gesundes Erspartes, eine private Zusatzversicherung oder Verwandtschaft mit viel Geduld und noch mehr Geld. Die Landeshauptstadt sieht tatenlos zu, wie aus der Daseinsvorsorge ein Markt für Gutverdiener wird. Drei-Null-Zwo – die neue Postleitzahl der Schweriner Pflege-Misere. Wer jetzt noch sagt, „Pflege geht uns alle an“, darf sich beim nächsten Wahlkreis in MV die Frage gefallen lassen, warum er als Abgeordneter seit Jahren das eigene Landes-Budget nicht aufgestockt hat. Die Pflegereform kommt im Juli ins Kabinett. Was die MV-Landesregierung liefert, ist Stand jetzt: heiße Luft.
Foto: Age Cymru / Unsplash
Quelle: Schwerin-Lokal
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