Der Schweriner Zoo lädt am 1. August zur „ZooKultur“ und zeigt einen Naturfilm unter freiem Himmel. Die Veranstaltung findet bei jeder Wetterlage statt. Das ist konsequent: Wer „Das Flüstern der Wälder“ sehen will, bekommt im Zweifel nicht nur Wald auf der Leinwand, sondern Regen direkt in den Nacken. Andere Kinos verkaufen 3D-Brillen. Schwerin stellt einfach das Wetter an.
Ab 19.30 Uhr dürfen die Gäste durch den abendlichen Zoo spazieren und Tiere erleben, die nach den normalen Öffnungszeiten erst richtig aktiv werden. Um 21.45 Uhr beginnt auf der Festwiese an der Teichanlage das Open-Air-Kino. Der Zoo verbindet damit Naturbeobachtung, Sommerabend und Filmvorführung zu einem Veranstaltungspaket, bei dem niemand sicher sagen kann, ob das Rascheln neben der Decke zur Tonspur gehört.
„Die besondere Stimmung lädt dazu ein, den Zoo aus einer neuen Perspektive kennenzulernen und den Sommerabend entspannt zu genießen.“
Anne Schilling, Marketingchefin des Schweriner Zoos
Erst Tiere gucken, dann Tiere auf der Leinwand
Gezeigt wird der Film „Das Flüstern der Wälder“ des französischen Regisseurs Vincent Munier. Der Naturfilmer hatte bereits mit „Der Schneeleopard“ internationale Aufmerksamkeit erlangt. Sein neuer Film gehört zum Wettbewerb um den Deutschen Naturfilmpreis. Die offizielle Veranstaltungsseite des Zoos verspricht ein Filmhighlight vor der malerischen Kulisse der Teichanlage. Malerisch ist hier das entscheidende Wort. „Trocken“ hat es nicht in den Werbetext geschafft.
Die Idee passt trotzdem ziemlich gut. Ein Naturfilm im Zoo ist ungefähr so konsequent wie eine Verwaltungstagung im Wartezimmer. Bevor die Leinwand angeht, können Besucher die echten Tiere sehen. Danach folgt die preisgekrönte filmische Version, bei der garantiert kein Gehegeschild schief hängt und kein Kind fragt, warum das Tier gerade hinter einem Busch verschwunden ist.
Decken, Kissen und Klappstühle dürfen laut Nordkurier mitgebracht werden. Popcorn, Getränke und weitere Speisen gibt es vor Ort. Der Vorverkauf läuft, eine Abendkasse soll ebenfalls öffnen. Bei großem Andrang kann der Einlass begrenzt werden. Schwerin schafft es damit, sogar beim entspannten Filmabend ein kleines Stück Verwaltungsrealismus einzubauen: Es gibt Plätze, aber nur solange die Kapazitätsprüfung nichts anderes ergibt.
Bei jedem Wetter heißt wirklich bei jedem Wetter
Auf der Shopseite steht ausdrücklich, die Veranstaltung finde bei jeder Wetterlage statt. Gäste sollen passende Kleidung mitbringen. Das ist in Mecklenburg-Vorpommern keine Randnotiz, sondern der eigentliche Produktionsplan. Sonne liefert romantisches Abendlicht. Wind erzeugt Surround-Sound. Regen übernimmt die Spezialeffekte. Nur bei Gewitter dürfte selbst der engagierteste Naturfilmfreund kurz prüfen, ob Kultur wirklich so nah an der Natur stattfinden muss.
Erwachsene zahlen im Vorverkauf 14 Euro, Kinder bis zwölf Jahre 10 Euro. Dafür gibt es Zoo nach Feierabend und Kino zum Sonnenuntergang. Das ist fairer als viele Schweriner Veranstaltungen, bei denen Besucher denselben Preis zahlen und am Ende nur eine PowerPoint-Präsentation über ein künftiges Bauprojekt bekommen.
Der Abend kann also tatsächlich verdammt schön werden. Tiere in der Dämmerung, ein Naturfilm an der Teichanlage und Publikum auf Decken unter freiem Himmel sind eine gute Kombination. Der Zoo hat nur eine typisch norddeutsche Zusatzprüfung eingebaut: Wer Kultur will, muss wetterfest genug sein, sie auch zu überleben. Und falls es regnet, kann hinterher immerhin niemand behaupten, der Film habe die Natur nicht realistisch vermittelt.
Foto: Son Tung Tran / Pexels
Quelle: Nordkurier
Weitere Quelle: Zoo Schwerin
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