Politik

Oldenburg entdeckt Tiere: Bildungsministerin tourt durch den Zoo – Schwerin feiert mit Zooschule und 60.000 Kindern

Bildungsministerin Simone Oldenburg hat am Landeszootag den Tierpark Wismar besucht – und festgestellt, dass Kinder Tiere mögen. Eine Erkenntnis, für die Schwerin jetzt auch noch bezahlen darf – etwa in Form des Freilichtmuseums Müß. Am letzten Schultag vor den Sommerferien gibt es freien Eintritt in 18 Zoos und Tierparks des Landes, darunter auch die Zooschule Schwerin.

Was wie eine harmlose Pressemitteilung klingt, entpuppt sich bei näherer Lektüre der Mitteilung des Bildungsministeriums als weiteres Beispiel für die Schweriner Bildungspolitik: Man erklärt Gummibärchen-Bildung zum Meilenstein, hängt 73 Mitarbeiter an neun Landeszooschulen – und glaubt, damit sei das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung abgehakt. Oldenburg spricht von „Zoos als lebendigen Lernorten“. In Wirklichkeit lernen Kinder dort vor allem, dass ein Emu größer ist als ein Erzieher.

Schwerins Beitrag: Eine Zooschule und 60.000 Kinder

Immerhin: Schwerin gehört zu den fünf Städten, die eine Landeszooschule vorweisen können – neben Greifswald, Rostock, Stralsund und Ueckermünde. Stolze 73 Mitarbeiter kümmern sich dort um „abgeordnete Lehrkräfte und Zoo-Guides“. Im vergangenen Jahr nahmen rund 60.000 Kinder an den Bildungsangeboten teil, wie das Ministerium stolz verkündet. Das klingt viel, ist aber vor allem eines: eine offizielle Bestätigung dessen, was Eltern in Schwerin längst wissen – dass der Bildungserfolg ihrer Kinder nicht von der Schulpolitik abhängt, sondern davon, wer am Wochenende Zeit für den Zoobesuch hat.

„Zoos und Tierparks sind lebendige Lernorte. Kinder und Jugendliche erleben Tiere und die Natur unmittelbar. Sie entdecken Zusammenhänge, die sich in der Kita und im Klassenzimmer nur schwer vermitteln lassen.“

– Bildungsministerin Simone Oldenburg, wie sie in der Pressemitteilung steht und nicht weiter hinterfragt werden muss

Bürokratie mit Giraffengeschwindigkeit

Was die Pressemitteilung verschweigt: Die Ministerin hat den Tierpark Wismar besucht, nicht den Zoo Schwerin. Während in Wismar die Bildungsministerin mit Kindern der Kita „De Lütten Plappersnuten“ aus Proseken durchs Gehege tourt, fragt man sich in Schwerin, warum eigentlich nicht. Liegt es daran, dass der Zoo Schwerin gerade um seine jüngste Giraffe trauert – oder schlicht daran, dass ein Pressetermin in Wismar landschaftlich schöner aussieht?

Fest steht: 60.000 Kinder werden in diesem Sommer wieder mit leuchtenden Augen vor den Gehegen stehen, während das Bildungssystem im Land vor sich hin rostet. Wer lesen, schreiben und mit dem Klimawandel umgehen kann, lernt das nicht im Zoo – aber immerhin lernt er dort, wie ein Zebra aussieht. In Schwerin ist das schon mehr, als man von mancher Schulstunde behaupten kann.

Eltern, deren Kinder in Schwerin zur Schule gehen, dürfen sich freuen: Der letzte Schultag vor den Ferien ist gesichert – nicht wegen Mathe, nicht wegen Deutsch, sondern wegen 18 kostenloser Zoobesuche. Oldenburg hat das Wort „Lernen mit allen Sinnen“ geprägt. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens ein Sinn davon auch in den Klassenzimmern ankommt.

Quelle: Regierung MV

Foto: Liza / Pexels

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