Schwerin bekommt im September eine Ausstellung, die nicht nach Sonntagskultur klingt, sondern nach Pflichtlektüre mit kalter Dusche. Unter dem Titel „Heilen und Vernichten – Idylle und Verbrechen“ zeigt das Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus vom 5. bis 17. September 2026, wie Teile der Ärzteschaft im Nationalsozialismus nicht nur zusahen, sondern aktiv mitmachten.
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Im Zentrum steht die ehemalige „Führerschule der Deutschen Ärzteschaft“ in Alt Rehse. Dort wurden Mediziner ideologisch auf Linie gebracht – also genau jene Berufsgruppe, die eigentlich Leben schützen sollte, bekam Unterricht darin, wie man Menschen erst sortiert, dann entwürdigt und am Ende vernichtet. Das ist keine historische Fußnote. Das ist der Moment, in dem der Satz „Wir müssen aus der Geschichte lernen“ endlich mal nicht wie eine Rathausfloskel klingen darf.
Aufarbeitung ist kein Deko-Programm
Die Ausstellung behandelt Ausgrenzung, Zwangssterilisationen, sogenannte „Euthanasie“-Verbrechen und den Missbrauch medizinischen Wissens für rassistische Ideologie. Schwerin präsentiert das im Schleswig-Holstein-Haus in der Puschkinstraße 12. Der Eintritt ist frei – was praktisch ist, weil Ausreden damit teurer werden als der Besuch.
„Manche gehen in Ausstellungen, weil es regnet. Diese hier sollte man besuchen, weil es in der Geschichte schon viel zu lange dunkel war“, sagt eine Schwerinerin, die ausnahmsweise nicht nur wegen des kostenlosen Eintritts kulturelles Interesse entwickelt hat.
Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 4. September 2026, um 15 Uhr. Danach ist sie vom 5. bis 17. September jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Veranstaltet wird sie vom Lern- und Gedenkort Alt Rehse, dem Freundeskreis Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus und der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern.
Für Schwerin ist das eine dieser Veranstaltungen, bei denen man nicht mit „nett gemacht“ nach Hause gehen sollte. Wenn Medizin, Wissenschaft und Gesellschaft historisch so brutal versagt haben, reicht kein betretenes Nicken zwischen zwei Häppchen. Dann muss eine Stadt auch aushalten, dass Erinnerung unbequem ist – und zwar bevor sie wieder in den nächsten Ausschuss für gefühlte Zuständigkeit verschoben wird. (schwerin)
Foto: Ahmet Polat / Pexels
Quelle: Schwerin.news
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