Mecklenburg-Vorpommern bekommt seine erste Bodenwaschanlage. In Selmsdorf soll eine Anlage entstehen, die belastete Böden und Bauschutt reinigt, damit daraus wiederverwertbare mineralische Abfälle werden. Die Nachricht kommt von DIE ZEIT und klingt zunächst nach Fortschritt. Also nach etwas, das in Schwerin traditionell erst einmal gründlich geprüft werden muss.
Mehr zum Thema: Polizei MV verschiebt ihre Chefs: Neubrandenburg bekommt Tesch, Schwerin behält Wurzler
Mehr zum Thema: BSW will in Schwerin Merz abräumen – und zittert selbst vor fünf Prozent
Mehr zum Thema: MV kontrolliert Deutschlands Kassen am härtesten: Wenn schon kein Geld da ist, soll es wenigstens ordentlich fehlen
Der Boden bekommt seine eigene Wellnessbehandlung
Die geplante Anlage soll mineralische Abfälle wie belastete Böden und Bauschutt reinigen. Der verdreckte Untergrund wird damit nicht einfach irgendwo abgekippt, sondern soll als Sekundärrohstoff wieder in den wirtschaftlichen Kreislauf zurückkehren. Das ist praktisch, vernünftig und deshalb für Mecklenburg-Vorpommern beinahe verdächtig innovativ.
„In Schwerin hätten wir für belasteten Boden zunächst einen runden Tisch eingerichtet“, sagt ein fiktiver Stadtentwickler. „Nach drei Sitzungen wäre der Boden zwar noch belastet, aber immerhin politisch eingeordnet.“
Selmsdorf wäscht, Schwerin schaut zu
Getragen wird das Projekt von der gemeinsamen Betreibergesellschaft BWI Bodenwaschanlage Ihlenberg. Dahinter stehen die IAG-Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft und GER Umweltschutz aus Grevesmühlen. Umweltminister Till Backhaus bezeichnete das Vorhaben als zukunftsweisend. Ressourcen sollen geschont, Transportwege in Waschanlagen anderer Bundesländer vermieden und Arbeitsplätze am Standort gesichert werden.
Schwerin ist zwar die Landeshauptstadt, aber nicht der Ort, an dem dieses Projekt entsteht. Das ist konsequent. Die Hauptstadt darf schließlich nicht bei jeder sinnvollen Idee als Erste drankommen. Sonst müsste sie am Ende noch zeigen, dass Verwaltung mehr kann, als Zuständigkeiten zwischen Gebäuden hin- und herzuschieben.
2029 ist das neue sofort
Ganz schnell geht es trotzdem nicht. Die Unternehmen rechnen nach einer mehrjährigen Planungs-, Genehmigungs- und Bauphase mit einer Inbetriebnahme im Jahr 2029. Vier Jahre sind im Bau- und Genehmigungswesen kein Versprechen, sondern eine freundliche Absichtserklärung mit offenem Ausgang.
„Wir prüfen schon einmal, ob Schwerin 2029 bereit ist“, heißt es aus einem fiktiven Hauptstadt-Arbeitskreis. „Für die Prüfung setzen wir vorsichtshalber eine Laufzeit bis 2032 an.“
Selmsdorf plant also eine Anlage, die Dreck in nutzbares Material verwandeln soll. Schwerin kann daraus immerhin eine Lehre ziehen: Nicht alles, was belastet ist, muss für immer liegen bleiben. Manches lässt sich reinigen, aufbereiten und wiederverwenden. Beim Boden klappt das offenbar. Bei den alten Ausreden der Landeshauptstadt ist der Genehmigungsbescheid noch nicht in Sicht.
Foto: Willians Huerta / Pexels
Quelle: DIE ZEIT
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
