Gesellschaft

Müritz-Waldbrand auf 390 Hektar – die alten Minen löschen nicht mit

Der Waldbrand im Müritz-Nationalpark breitet sich derzeit nicht weiter aus. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Rund 390 Hektar sind betroffen, etwa 300 Einsatzkräfte kämpfen weiter gegen Glutnester und von Entwarnung kann keine Rede sein. Mecklenburg-Vorpommern hat das Feuer eingekesselt. Nun muss es nur noch das 80 Jahre alte militärische Erbe überleben, das unter dem Wald liegt und gelegentlich explodiert.

Am Sonntag half Regen über dem Brandgebiet. Wasserwerfer der Landespolizei bewässerten den Bereich zwischen Granzin und der Brandfläche. Spezialkräfte aus Niedersachsen arbeiteten an der Bahnstrecke Berlin-Neustrelitz-Rostock. Zwei CH-53-Hubschrauber der Bundeswehr hatten zuvor rund 1,5 Millionen Liter Wasser abgeworfen, blieben am Sonntag aber wegen vorgeschriebener Ruhezeiten am Boden. Selbst Katastrophen müssen sich an Arbeitszeitregeln halten. Nur das Feuer hat den Tarifvertrag wieder nicht gelesen.

Ein Nationalpark mit militärischem Nachleben

Das eigentliche Problem steckt im Boden. Das Gebiet war früher Truppenübungsplatz. Dort liegen noch Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg und aus DDR-Zeiten, darunter große Panzerabwehrminen. Deshalb dürfen Einsatzkräfte Teile des Brandgebiets nicht betreten und müssen bis zu 1.000 Meter Sicherheitsabstand halten. Gelöscht wird aus der Distanz, während im Inneren immer wieder Explosionen zu hören sind.

Wie schwierig Waldbrandbekämpfung auf munitionsbelastetem Boden ist, wurde im März sogar in Schwerin geübt. Im Nationalpark läuft nun die Version ohne Übungsende.

Der Wald ist Nationalpark. Der Boden darunter hat offenbar nie die Mitteilung bekommen, dass der Krieg vorbei ist.

Das ist keine Pointe über Feuerwehrleute. Die leisten dort unter gefährlichen Bedingungen eine Arbeit, für die man ihnen kaum genug danken kann. Die Pointe ist der Zustand selbst: Ein geschützter Naturraum kann im Ernstfall nicht betreten werden, weil Jahrzehnte nach Krieg, Besatzung und militärischer Nutzung noch immer Sprengstoff im Boden steckt. Das Land schützt den Wald vor Menschen. Die Altmunition schützt ihn zusätzlich vor den Löschkräften.

Kreisregner gegen Geschichte

Rund um das Brandgebiet wurden Linien aus Kreisregnern aufgebaut. Sie halten den Boden feucht und sollen verhindern, dass sich die Flammen weiter ausbreiten. Allein ein bayerisches Team betreut 60 Anlagen, die etwa 6.000 Liter Wasser pro Minute fördern. Dazu kommen Feuerwehr, THW, Bundeswehr, Polizei und Einheiten aus mehreren Ländern. Es braucht einen föderalen Kraftakt, um einen Wald zu löschen, dessen Untergrund noch von zwei untergegangenen Systemen mitverwaltet wird.

Für die rund 100 Einwohner von Granzin wurde die Evakuierung am Sonnabend vorläufig aufgehoben. Sie müssen aber damit rechnen, erneut ihre Häuser zu verlassen. Rauch und Geruchsbelästigungen reichen weiterhin weit in nordöstliche Richtung. Urlauber sollen das Gebiet meiden, Wege freihalten und den gesperrten Aussichtsturm am Käflingsberg nicht ansteuern. Wer Katastrophentourismus betreibt, steht den Menschen im Weg, die gerade verhindern, dass aus 390 Hektar noch mehr werden.

Landrat Thomas Müller hält Brandstiftung persönlich für möglich. Beweise gebe es bislang nicht, die Polizei ermittle in alle Richtungen. Auch hier gilt deshalb: Vermutung ist keine Ursache. Sicher ist nur, dass der Brand seit fast einer Woche enorme Kräfte bindet und das Löschen durch alte Munition gefährlicher, langsamer und absurder wird.

Fachleute gehen davon aus, dass sich die Natur langfristig erholen kann. Das ist beruhigend und zugleich bitter. Der Wald wächst nach. Die Minen warten.

Foto: Lotte76 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Quelle: SPIEGEL

Quelle: NDR

Nichts verpassen! 📰 Newsletter abonnieren

Erhalte die neuesten Nachrichten aus Schwerin direkt in dein Postfach – satirisch, ehrlich, geil.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Schwerin ist Geil auf WhatsApp

Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.

Jetzt Kanal abonnieren

Kostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar

Teilen:

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Genau wie die meisten Neuigkeiten aus Schwerin.