Gesellschaft

Motorschaden beim Petermännchen: Stadt Schwerin plante drei Jahre lang einen Notfall, der nie kam

Schwerin – Das „Petermännchen“, liebstes Verkehrsmittel der Landeshauptstadt und maritimer Stolz auf dem Pfaffenteich, liegt seit Wochen still. Der Motor ist kaputt. Einen Plan B hat die Stadtverwaltung nicht. Was nach einer jahrelangen Vorlaufzeit überraschen mag – wenn man bedenkt, dass die Verwaltung den Weiterbetrieb der Fähre bis mindestens 2030 stets als gesetzt betrachtet hatte.

Drei Jahre, drei Studien, null Ergebnis

Bereits 2024 lagen der Stadtverwaltung drei Varianten für die Zukunft der Pfaffenteichfähre vor: Sanierung der Dieselfähre, Umbau auf Elektroantrieb oder Neubau eines Elektro-Katamarans. Letzterer galt als „fachlich sinnvollste Lösung“, der Kostenvoranschlag: 490.000 Euro. So weit, so solide. Der Clou: Weil die Verwaltung vom Weiterbetrieb der alten Fähre ausging, wurden keinerlei konkrete Schritte für einen Neubau oder eine Ersatzbeschaffung eingeleitet.

Die Fraktion Unabhängige Bürger/FDP brachte es in einer Anfrage auf den Punkt: Während die Verwaltung im Mai 2025 noch erklärte, der Beschluss zum Erhalt des Fährangebotes sei „hiermit umgesetzt“, zeigt der aktuelle Motorschaden, dass von Umsetzung keine Rede sein konnte. Der Motor wurde ausgebaut, ein Fachbetrieb untersucht ihn – mit ersten Ergebnissen wird in zwei Wochen gerechnet. Ob die Fähre überhaupt nochmal fahren wird? Offen.

„Wir wussten, dass der Motor irgendwann kommt – aber wir wollten halt erstmal abwarten, bis er wirklich kaputt ist. Vorgebeugt wird später.“

– Anonyme(r) Mitarbeiter*in der Stadtverwaltung Schwerin, zwischen Tür und Angel

Pfaffenteich ohne Fähre: Schwerin ist halt doch eine Autostadt

Während anderswo in Deutschland Kommunen ihre städtischen Fährverbindungen als touristisches Aushängeschild pflegen und vorausschauend modernisieren, müssen die Schweriner Passagiere nun einen großen Bogen um den Pfaffenteich machen. Spaziergänger, die in den vergangenen Jahren das gepflegte Erlebnis einer Vier-Minuten-Überfahrt genossen, dürfen sich ab sofort auf den Landweg begeben – rund 700 Meter Umweg um das Gewässer herum. Wer die Sanierung der Fähranleger ursprünglich erst für 2028 auf der Agenda hatte, darf die Pläne jetzt voraussichtlich umplanen.

Die Stadt kündigte an, die Stadtvertretung und die Öffentlichkeit „nach Abschluss der technischen Untersuchung“ zu informieren – also in frühestens zwei Wochen. Bis dahin bleibt das Petermännchen ein marodes Denkmal für Schweriner Verwaltungslogik: Man wusste, dass der Tag kommt. Man hat nur nie damit gerechnet, dass er ein Donnerstag ist.

Foto: Ella Wimer / Unsplash

Quelle: Schwerin-Lokal

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