Kurioses

Lotto MV erklärt Schulkindern, warum Glücksspiel schlecht ist — Erklärung mit Geld aus dem Glücksspiel

Stellen Sie sich vor, Sie schicken Ihr Kind zur Suchtprävention in die Schule — und der Workshopleiter heißt „Lotto Mecklenburg-Vorpommern“. Genau das passiert gerade am Schulzentrum Kühlungsborn. Unter der Schirmherrschaft von Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) lernen 100 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 und 10 im „SMART CAMP“ zwei Tage lang, wie man verantwortungsvoll mit digitalen Spielen umgeht und warum Lootboxen sowie Pay-to-Win-Mechanismen gefährlich sind. Bezahlt wird der pädagogische Ausflug von der Landeslotteriegesellschaft.

Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Der staatliche Glücksspielanbieter erklärt Jugendlichen, dass Glücksspiel — und glücksspielähnliche Mechanismen in Videospielen — gefährlich sind. Die LOTTO-Geschäftsführerin Elisabeth Aßmann spricht dabei ernsthaft von „besonderer gesellschaftlicher Verantwortung“. Man darf annehmen, dass die Verantwortung in dem Satz endet, in dem der Spielschein verkauft wird. Glücksspielprävention, gesponsert von der Quelle des Glücksspiels. Schwerin, wie es funktioniert.

Wer soll das eigentlich noch glauben?

Die Bundesratsinitiative aus MV gegen Lootboxen ist einerseits ein völlig richtiger Schritt: Kinder und Jugendliche sollen nicht in Klick-Farmen gezogen werden, die wie Glücksspiel funktionieren. Andererseits tritt das Land für diese Initiative ein, während gleichzeitig die landeseigene Lottogesellschaft genau das Prinzip „Einsatz gegen Gewinnchance“ tagtäglich an der Supermarktkasse verkauft. Da hilft es auch wenig, dass Ministerin Drese im Pressetext mit dem Satz zitiert wird, man wolle „klare Regeln“ — wenn das Regelwerk vom Regelbrecher bezahlt wird.

„Prävention und Aufklärung sind zentrale Bestandteile unseres täglichen Handelns.“ — Elisabeth Aßmann, Geschäftsführerin LOTTO Mecklenburg-Vorpommern

Was bleibt: Ein bundesweit beachtetes Präventionsprojekt, das von der Industrie bezahlt wird, die es zu verhindern vorgibt. Für die Schüler in Kühlungsborn dürfte das ein ganz normaler Schultag werden. Für die Glaubwürdigkeit der Landespolitik ist es das nicht.

Foto: Cyzen / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Quelle: Regierung MV

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