Willkommen in Schwerin. Wo selbst die Lösung für eine Zigarettenkippe ein Kunstwerk ist. Die Umweltgruppe Weststadt zieht am Montag, dem 3. August, mit wasserlöslicher Kreidefarbe durch die Lessingstraße und malt rund um ausgewählte Gullydeckel bunte Motive. Das Ziel: Die Leute sollen darüber nachdenken, wohin die Kippe eigentlich verschwindet, wenn man sie auf den Boden schnippt.
Gekonnt formuliert von Ronny Alex, Sprecher der Gruppe: „Ziel unserer Aktion ist es, für die Umweltschäden zu sensibilisieren.“ Bunt. Kreativ. Legal. Und ungefähr so wirksam wie ein Pfeifton gegen einen Düsenjet. Schöner kann man Symbolpolitik nicht betreiben — unsere Landeshauptstadt bleibt sich treu.
Wenn der Regen kommt, ist die Botschaft weg
Die Kreidefarbe ist wasserlöslich. Was im Umweltdeutsch nach Nachhaltigkeit klingt, ist im Klartext: Sobald das nächste Gewitter über die Lessingstraße zieht, löst sich die Botschaft in braunen Rinnstein und die Gullydeckel sehen aus wie vorher. Zurück bleibt ein Haufen nasser Farbschlieren, ein paar Selfies von Helfern und die Erkenntnis, dass die Kippe noch immer auf dem Boden liegt.
In München gibt es 1.600 feste Mülleimer in der Innenstadt, alle 75 Meter einer. In Schwerin muss man Glück haben, überhaupt einen zu finden — und wenn ja, steht meist ein privater Aschenbecher daneben, in dem ein halber Liter Wasser mit noch mehr Kippen schwimmt. Die Weststadt hat sich gegen den Mülleimer und für die Kunst entschieden. Verständlich, wenn man die Auftragsbücher der ortsansässigen Farbhersteller kennt.
Ein Pilotprojekt gegen die Schwerkraft
Die Aktion ist angemeldet, legal und von der SAE unterstützt — jener städtischen Gesellschaft, die sonst lieber Pressetermine zählt als Mülleimer zu leeren. Acht bis zehn Uhr, Ecke Lessingstraße/Carl-Moltmann-Straße. Treffpunkt für alle, die sich zwischen Kaffee und Kita-Bringen mal anschauen wollen, wie eine Landeshauptstadt mit Kreide gegen das Rauchen kämpft.
„Ich warte seit Jahren auf mehr Mülleimer. Jetzt hab ich wenigstens bunte Bilder um die Kippen drumherum. Macht optisch echt was her, die Weststadt.“
Anwohnerin Margot K. (63), Lessingstraße
Während anderswo über Rauchverbote, Bußgelder und saubere Innenstädte diskutiert wird, malt Schwerin Kreise. Unterstützt, angemeldet, wasserlöslich. Was am 3. August bleibt, ist vor allem die Frage: Wer putzt die Gullydeckel, wenn der Regen die Kunst abgewaschen hat? Die Antwort kennt man in Schwerin: keiner. Man wartet auf das nächste Pilotprojekt.
Wir freuen uns drauf. Also irgendwie.
Foto: Danny De Vylder / Unsplash
Quelle: schwerin.news
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